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Am 4. Okt. fand die öffentliche Prüfung für das Sommerhalbjahr ſtatt, deren Ordnung
folgende war:
Vormittags 9 ¾— 12 Uhr:
VN Botanik— Krausbauer, Franzöſiſch— Krausbauer;
IV Mineralogie— Thömsgen, Rechnen— Maier;
III Geſchichte— Dr. Ottmann, Franzöſiſch— Dr. Gotthardt. Nachmittags 2 ½— 4 Uhr:
II Wieſenbau— Anger, Geometrie— Dr. Kienitz⸗Gerloff;
I Chemie— Dr. Nauhaus, Betriebslehre— Dr. Helmkampf.
Am 5. Okt. wurde das Sommerhalbjahr mit der Cenſur und Verſetzung geſchloſſen.
Vom 6. bis zum 20. Okt. dauerten die Herbſtferien.
Am 21. begann das Winterhalbjahr für die Vor⸗ und Landwirtſchaftsſchule, am 4. Nov. für die Winterſchule.
Am 7. und 8. Nov. war Herr Oberlehrer Dr. Kienitz⸗Gerloff beurlaubt, weil er in ſeiner Eigenſchaft als Hauptmann der Landwehr militäriſche Kontrollverſammlungen abzuhalten hatte.
Vom 22. Dez. 1895 bis zum 5. Januar 1896 dauerten die Weihnachtsferien.
Am 18. Jan. 1896 fand zur 25 jährigen Jubelfeier des deutſchen Reiches ein öffentlicher Schulaktus ſtatt, bei welchem Herr Oberlehrer Dr. Nauhaus die Feſtrede hielt; am 27. zur Feier des Geburtstages Sr. Majeſtät des Kaiſers und Königs ein gleicher, bei welchem Herr Oberlehrer Dr. Ottmann die Feſtrede hielt(Thema: Friedrichs des Großen Selbſtbekenntniſſe in der Histoire de mon temps).
Zur Reifeprüfung für das Winterhalbjahr haben ſich 10 Schüler der I. Klaſſe gemeldet. Die ſchriftliche Prüfung iſt auf den 9.— 13., die mündliche auf den 30. März angeſetzt. Über den Ausfall derſelbe kann erſt im nächſtjährigen Programm berichtet werden.—
Das Betragen der Schüler war auch in dieſem Schuljahr im allgemeinen befriedigend: eine Verweiſung von der Anſtalt iſt nicht vorgekommen. Die älteren Schüler waren auch für dieſen Winter zu den Vergnügungen der hieſigen Kaſinogeſellſchaft eingeladen, wofür der verehrlichen Ge⸗ ſellſchaft ergebenſter Dank ausgeſprochen wird.—
Mit dem Ende dieſes Schuljahres ſcheidet der Elementar⸗ und Zeichenlehrer Herr Ketter aus dem Lehrerkollegium aus, um in den Ruheſtand zu treten. Er hat dem Kollegium ſeit dem 1. April 1883 angehört und iſt uns ſeitdem durch ſeinen Ernſt und Eiſer, ſowie durch ſeine hohe pädagogiſche Tüchtigkeit, die ſich beſonders in ſeinem vortrefflichen Rechenunterricht kundgab, ein hochgeſchätzter Mitarbeiter geweſen. Ein Bruſtleiden zwingt ihn, ein Opfer ſeines Berufes, dem⸗ ſelben vorzeitig zu entſagen. Möge es ihm beſchieden ſein, die wohlverdiente Ruhe noch lange zu genießen!
An ſeine Stelle tritt mit dem Beginn des neuen Schuljahres Herr Wieſenbautechniker Ludwig Müller, geb. am 22. April 1871 zu Berg⸗Gladbach. Er abſolvierte 1886— 1891 die Wieſen⸗ bauſchule zu Siegen, war bis 1892 bei Siegen mit zeichneriſchen Arbeiten und Kalkulationen für eine Keſſelfabrik und Gießerei beſchäftigt, dann 1892— 1894 auf dem Meliorations⸗Bauamte II zu Münſter in Weſtfalen mit der Bauleitung einer Flußregulierung beauftragt und ſeit 1894 im Großherzoglich heſſiſchen Landeskulturdienſte bei der Kulturinſpektion Gießen thätig, von wo er, zunächſt proviſoriſch, an die hieſige Landwirtſchaftsſchule berufen worden iſt.
Die Themata für die größeren ſchriftlichen Arbeiten der Schüler waren folgende:
Deutſche Aufſätze: III. 1. Was wir im April in der Natur beobachtet haben.— 2. Die Ausbrei⸗ tung des Chriſtentums bis zur Mitte des zweiten Jahrhunderts.— 3. Was das Nibelungenlied von Gunther erzählt.— 4. Der Charakter Gunthers.— 5. Der Charakter Kriemhildens(Probearbeit).— 6. Der Cha⸗ rakter Karls des Großen in Uhlands Ballade„Klein Roland“.— 7. Der Charakter Rolands in Uhlands Ballade „Roland Schildträger.“— 8. Inhalt eines Buches nach freier(aber vorher gutgeheißener) Wahl.— 9. Brief an einen Verwandten oder Freund über die Weilburger Feier des 18. Januar.— 10. Probearbeit.
II. 1. Der Charakter Stauffachers in„Wilhelm Tell.“— 2. Die deutſchen Zuſtände unter Kaiſer Maximilian nach Göthes Götz.— 3. Der Charakter Luthers.— 4. Der Charakter Albas im„Egmont.“— 5. Die Verhältniſſe zur Zeit des dreißigjährigen Krieges nach Schillers„Wallenſteins Lager“.— 6. Wallen⸗


