Aufsatz 
Festrede zum achtzigsten Geburtstag des Fürsten Bismarck
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Nr.

Feſtrede zum achtzigſten Geburtstage des Fürſten

Hochzuverehrende Gäſte! Werte Kollegen! Liebe Schüler!

Wenn nach des Tags Verbluten weit und breit Die Finſternis ſich ſchauervoll ergießet,

Daß Berg und Thal in wüſtes Schwarz zerfließet, Da tritt hervor der Sterne Heiterkeit.

Und wenn ein Volk in trotz'gem Widerſtreit

Dem gottgeſandten Strahl das Herz verſchließet, Um Hütt' und Schloß der Lügen Unkraut ſprießet, Das iſt der Seher, der Propheten Zeit.

Herr, ſieh gen Himmel uns die Arme ſtrecken!

Hör' unſer heißes Flehen früh und ſpat, Du wolleſt einen Retter uns erwecken!

Dies Volk iſt irr und irr der hohe Rat O laß ihn nahn im Donner deiner Schrecken, Die Spreu zu ſcheiden von der guten Saat!

Das iſt der Seher, der Propheten Zeit. Solch ein Seher und Prophet iſt der Dichter geweſen, der in den Jahren 183840 dieſe Verſe geſchrieben hat, Emanuel Geibel. Einige Jahre ſpäter, 1844, wird ihm deutlicher, was die Zeit erfordert: Zum Himmel bete, wer da beten kann, Und wer nicht aufwärts blickt nach einem Horte,

Der ſag's dem Sturm, daß er von Ort zu Orte Es weiter trag' als einen Zauberbann.

Der Säugling, der zu ſtammeln kaum begann, Von ſeiner Mutter lern' er dieſe Worte,

Du Greis noch ſprich ſie an des Grabes Pforte: O Schickſal, gieb uns Einen, Einen Mann!

Was frommt uns aller Witz der Zeitungskenner, Was aller Dichter wohlgereimt Geplänkel Vom Sand der Nordſee bis zum wald'gen Brenner!

Ein Mann iſt not, ein Nibelungenenkel, Daß er die Zeit, den tollgewordnen Renner, Mit eh'rner Fauſt beherrſch' und eh'rnem Schenkel.

Der Mann war ſchon da; nur freilich bethätigte er ſeine Kraft damals noch an weniger umfaſſenden Aufgaben. Darüber berichtet die gleichzeitige Chronik von Lippehne, einem kleinen Städtchen der Neumark, an der pommerſchen Grenze, folgendes:

31842, Freitag den 24. Juni(Johannistag) gegen 56 Uhr nachmittags ließ der zur Übung(bei der Landwehr⸗Ulanen⸗Eskadron] hier anweſende Lieutenant Otto v. Bismarck, zweiter Sohn des Rittmeiſters a. D. v Bismarck, Gutsbeſitzers auf Kniephof bei Naugard, in Begleitung der Herren Lieutenants von Klitzing, von Schmuden u. ſ. w. ſeine Pferde im hieſigen Wendelſee... durch ſeinen Bedienten Hildebrand und den Ulanen Kühl, beide aus Jarchlin bei Naugard, ſchwemmen. Die Herren Lieutenants ſtanden auf der Brücke. Hildebrand ritt mit ſeinem Pferde zuerſt in den See. Unſtreitig durch ungleich gefaßte Zügel fing das Pferd an im Kreiſe zu 1*