Die ſchriftliche Prüfung fand am 9.—13. September ſiatt. Die Themata derſelben waren folgende:
Deutſcher Aufſatz: Die Wahrheit des Sprüchwortes Fortes fortuna adiuvat, an Bei⸗ ſpielen nachgewieſen:
Franzöſiſches Exercitium aus Plötz' Elementarbuch der franzöſiſchen Sprache p. 93 und 94.
Mathematiſche Aufgaben: a) Ein Dreieck zu zeichnen, von welchem gegeben iſt das Verhältnis der drei Seiten a: b: c= 3: 4: 5 und der Radius des dem Dreieck eingeſchriebenen Kreiſes.— b) Um die Ent⸗ fernung von A nach C zu beſtimmen, hat man eine Standlinie AB= 512,53 m genommen und an den Endpunkten derſelben Winkel CAB= 56° 13“ 4“, Winkel CBA= 50⁰° 35 12“ gefunden. Wie groß iſt AC?— c) Wie lang ſind die Seiten eines Dreiecks, wenn die Summen derſelben zu je zwei 93, 83 und 78 m betragen?— d) Ein Landwirt kauft für die in einem Jahr erübrigten 600 Mark einen Acker, der ihm 4 pC Zins abwirft. Hätte er ſtatt deſſen 320 Mark zur Bewäſſerung ſeiner Wieſe, 110 Mark zum Ankauf einer Häckſelmaſchine und den Reſt zur Bil⸗ dung eines Stammanteils bei einer Kreditvereinskaſſe verwandt, hätte ſodann die Bewäſſerungs⸗Einrichtung 9 pC, das beim Kredilverein angelegte Geld 7 pC abgeworfen, und wären durch die Häckſelmaſchine 18 Mark erſpart worden: wie viel hätte er dann durch dieſe Anlage mehr im Jahre gewonnen als durch den Kauf des Ackers?.
Naturwiſſenſchaftliche Arbeit: Die Nährſtoffe der Pflanzen und ihre Aufnahme.
Landwirtſchaftliche Arbeit: Die Drainage und die älteren Methoden der Entwäſſerung durch bedeckte Gräben.
Am 1. Oktober hielt der neuernannte Königl. Kommiſſar, Herr Regierungs⸗ und Schulrat Riſch von Wiesbaden, vormittags eine Reviſion der Anſtalt ab. Nachmittans folgte, unter Vorſitz eben desſelben, die mündliche Prüfung der Abiturienten; als Vertreter des Kuratoriums fungierte da⸗ bei Herr Bürgermeiſter Weychardt von Weilburg. Alleu 4 Abiturienten wurde das Zeugnis der Reife(mit der wiſſenſchaftlichen Befähigung für den einjährig⸗freiwilligen Militärdienſt) einſtimmig zuerkaunt.
Am 3. Oktober fand die öffentliche Schlußprüfung für das Sommerſemeſter ſtatt, deren Ordnung folgende war:
Vormittags 9 ¾— 12 Uhr: V: Franzöſiſch— Krausbauer, Botanik— Dr. Kienitz⸗Gerloff. IV: Rechnen— Ketter, Geſchichte— Gotthardt. III: Deutſch— der Direktor, Geometrie— Dr. Kienitz⸗Gerloff. Nachmittags 2 ½— 4 Uhr:
II: Chemie— Dr. Nauhaus, Pflanzenproduktionslehre— Dr. Henkelmann.
I: Franzöſiſch— Dr. Ottmann, Chemie— Dr. Nauhaus.
Am 4. Oktober wurde das Sommerſemeſter mit dem Cenſur⸗ und Verſetzungsatt geſchloſſen.
Vom 5. bis zum 15. Oktober dauerten die Herbſtferien.
Das Winterſemeſter begann für die Hauptſchule mit der Aufnahmeprüfung am 16. Oktober, für die Winterſchule am 5. November.
Vom 8. bis zum 11. Dezember war der Direktor behufs einer Reiſe nach Berlin beurlaubt.
Vom 21. Dezember 1884 bis zum 4. Januar 1885 dauerten die Weihnachtsferien.
Am 14. Januar ſtarb Herr Kreistierarzt Gies. Wir betrauern in ihm einen Mann, welcher ſich dadurch, daß er ſeit dem Beſtehen der Schule in der Winterklaſſe den Unterricht in der landwirtſchaftlichen Zoologie und Tierheilkunde bereitwilligſt übernommen hatte und denſelben, ſo ſchwer ihm dies auch bei ſeinem aſthmatiſchen Leiden zuletzt wurde, doch mit ſtets gleicher Liebe und Pünkt⸗ lichkeit erteilte, um die Anſtalt wohlverdient gemacht hat. Aur 17. Januar erwieſen ihm die Lehrer und Schüler die letzte Ehre.— Von ſeinen 4 Lehrſtunden übernahmen 2 Herr Dr. Nauhaus, 2 Herr Dr. Kienitz⸗Gerloff.
Am 18. Januar wurde Herr Dr. Henkelmann von Sr. Majeſtät dem Kaiſer durch Verleihung des Roten Adlerordens vierter Klaſſe ausgezeichnet.
Zur Entlaſſungsprüfung für das Winterſemeſter 1884/85 haben ſich 6 Schüler der I. Klaſſe gemeldet und die Zulaſſung erhalten. Die ſchriftliche Prüfung iſt auf den 2.— 6. März, die mündliche auf den 30. März 1885 feſtgeſetzt. Über den Ausfall derſelben kann erſt im nächſt⸗ jährigen Programm berichtet werden.


