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wundern, wenn unter dieſen Verhältniſſen eine ſolche Arbeitskraftverſchwendung beim Pflügen von den Italienern für nötig erachtet wird. Übrigens haben die Italiani auf dem gräflich Collalto'ſchen Hof⸗ gute Barco recht gut mit dem Hohenheimer Pfluge und nur einem Paar Ochſen pflügen gelernt.
Wie überall, ſo trifft man auch in Italien unter den Landwirten recht tüchtige Viehzüchter, die je nach den lokalen und Abſatzverhältniſſen einen beſtimmten Zweck der Viehzüchtung klar ins Auge faſſen und dieſen durch ſorgfältige Auswahl der Zuchttiere, entſprechende Fütterung und Pflege der Tiere zu erreichen ſuchen; allein ſehr viele, namentlich die vielen kleinen Viehbeſitzer, ebenſo arm an Kenntniſſen wie an Einkünften, züchten planlos den Tag hinein. Eine Beſſerung dieſer Verhält⸗ niſſe wäre hier nur möglich durch Bildung von Tierzuchtvereinen, welche es ſich zur Aufgabe machten für die verſchiedenen Gegenden eigene, ganz den lokalen Verhältniſſen entſprechende Rinder⸗ ſchläge heranzubilden. Sehr günſtig haben in dieſer Beziehung die in Italien ſchon viel länger als in Deutſchland beſtehenden Latterie sociali, die Geſellſchafts⸗ oder Genoſſenſchaftsmolkereien gewirkt. Im Thal von Aoſta(Piemont) entſtanden anfangs der 60er Jahre 8 neue Latterien, im Bezirk Pallanza am Lago Maggiore(Madſchore) von 1869 bis 1873 bildeten ſich 12, im Bezirk Vareſe öſtlich vom Lago Maggiore am kleinen Lago di Vareſe 1873 zwei, und in Venetien zu Canala bei Agordo, eine; auch in den Provinzen Bergamo und Brescia entſtanden mehrere. Viele der angeführten Molkereigenoſſenſchaften verdanken ihre Entſtehung der Anregung der italieniſchen Regierung, welche in der höheren Entwicklung des Molkereiweſens ein bedeutendes Mittel zur Hebung der Viehzucht, zur Vermehrung des Viehſtandes und zur Beſeitigung der unheilvollen Weidewirtſchaft erblickt und im Jahr 1871 zwei Prämien von 1200 Lire mit der goldenen Medaille und vier Prä⸗ mien von 800 Lire mit der ſilbernen Medaille ausſetzte für Diejenigen, welche innerhalb eines Jahres, vom 25. April 1872 bis Eude April 1873, Genoſſenſchaftsmolkereien eröffnen und dann den Nach⸗ weis bringen würden, daß ſie in der Fabrikation und dem Verkauf der hauptſächlichſten Molkerei⸗ produkte entſprechendes geleiſtet. Bewerbungsfähig um dieſe Prämien waren außerdem nur diejenigen Molkereigenoſſenſchaften, welche wenigſtens 10 Genoſſenſchaftsmitglieder zählten und täglich im Durch⸗ ſchnitt wenigſtens 300 Liter Milch verarbeiteten.
Für die ungeſunden, ſumpfigen Niederungen, wo die Malaria herrſcht und die gewöhnlichen Rinder leicht dem Milzbrand und der Lungenſeuche erliegen, iſt der genügſame, ſelten von Krankheiten befallene Büffel ein ſehr wertvolles Haus⸗ und faſt das einzige benutzbare Zugtier, da er mit ſeinen breiten Klauen auf dem weichen Boden beſſer fortkommt, als Pferde und gewöhnliche Ochſen. Außer⸗ dem liefert die Büffelkuh zwar wenig, aber vorzügliche, ſehr fettreiche Milch, aus der ein guter, halt⸗ barer Käſe gewonnen wird.
Was der Büffel für die Malariagegenden, iſt das Schaf für die Gebirgslandſchaften der Alpen, der toskaniſchen und römiſchen Apenninen, der Abruzzen ꝛc.— das unentbehrlichſte und wich⸗ tigſte Haustier—, weil die ungeheuren Flächen unkultivierten Bodens dieſer Gegenden keinen Anbau zulaſſen, aber wohl noch auf der oft dünnen Erdſchichte würzige Gräſer und Kräuter in Menge dar⸗ bieten. Die Schafzucht nimmt daher hier, ganz unabhängig vom Ackerbau, mit Recht die erſte Stelle im Betriebe ein, und die meiſten der 7,098,144 Schafe des Königreiches kommen auf dieſe Gegenden, Sardinien und Sicilien noch zugerechnet. In der lombardiſch⸗venetianiſchen Ebene ſieht man niemals ſo große Herden wie in den Apenninen und Abruzzen, nur in den nördlichen, an die Alpen grenzen⸗ den Provinzen wie Como, Bergamo, Brescia ꝛc. iſt der Schafſtand wieder bedeutend. Wie im Süden ſo auch hier, ziehen die Hirten mit ihren Herden von Beginn des Sommers bis Herbſt in das Ge⸗ birge(von Bergamo aus in die Graubündner oder rätiſchen Alpen, wo ſie je nach der Stückzahl ihrer Herden eine gewiſſe Abgabe entrichten) und mit Eintritt der rauheren Jahreszeit kommen ſie wieder in niedere Lagen zurück, um hier während des Winters zu verweilen. Die Schafe der Lom⸗ bardei gehören meiſt der großen Bergamasker Raſſe an, welche hauptſächlich in den oben genannten nördlichen Provinzen zu Hauſe iſt und ſich durch ihre Größe und Schwere(durchſchnittlich 120 Pfund Lebendgewicht), ſowie durch lange, herunterhängende Ohren(Schlappohren) und Ramskopf kenntlich macht. Die Wolle iſt grob und zu Tüchern nicht geeignet, das Fleiſch wohlſchmeckend und die ſehr fettreiche Milch wird, für ſich oder mit Kuhmilch vermiſcht, zur Käſefabrikation verwendet. Die Haupt⸗ nutzung bildet das Fleiſch. In Venetien hält man meiſt das Paduaner Schaf, ebenfalls zu dem Hängohrſchaf(Ovis catotis) gehörend, nur kleiner und mit feinerer Wolle als das Bergamasker.


