gandwirtſchaftliche Skiz aus Ober⸗Italien.
Erſter Teil.
Italien, il bel paese, che Apennin parte e l mar circonda e l' alpe(das ſchöne Land, welches der Apennin teilt, das Meer umſchließt und die Alpen), wie Petrarca, einer der drei großen italieniſchen Dichterfürſten, ſein Vaterland mit wenig Worten kennzeichnet, iſt jährlich das Reiſeziel vieler Tauſender, welche hier in der reinen, klaren Luft, dem milden Winter, dem warmen und doch nicht brennenden Sommer, im Anblick der unvergleichlichen Naturſchönheiten und Kunſtſchätze des Lan⸗ des, die Miſéren des heimiſchen Alltaglebens auf einige Zeit vergeſſen und Erholung für Geiſt und Körper ſuchen wollen. Für uns Deutſche iſt Italien aber noch etwas mehr, als das Land der Schönheit, der Kunſt und Poeſie, es iſt uns durch die jetzt Centraleuropa(Deutſchland) und Italien verbindenden Schienenwege näher gerückt als je, und dadurch ſind handelspolitiſche Beziehungen an⸗ gebahnt, die für beide Länder von der größten Bedeutung für die Zukunft werden können, indem jene Bahnen geeignet ſind, den Verkehr zwiſchen Centraleuropa mit dem öſtlichen Mittelmeer über Venedig und mit dem weſtlichen über Genua und Malland herzuſtellen, wobei Italien die Aufgabe der Vermittlung dieſes Verkehrs und damit der Vorteil zufallen würde, wenigſtens einen Teil ſeiner früheren bedeutenden Stellung im Welthandel wieder zu erhalten.
Ein ſolches Land, welches in ſo vielfacher Beziehung unſer Intereſſe erregt, iſt es daher wohl wert, daß wir auch ſeinen inneren Verhältniſſen, ſeinen land⸗ und volkswirtſchaftlichen Zuſtänden, einige Beachtung ſchenken. Dies iſt auch vielfach ſchon geſchehen, in allerjüngſter Zeit von Franz v. Löher in den deutſchen„Zeit⸗ und Streitfragen“ Heft 175, Berlin 1883, von L. J. in der Zeitſchrift „Die neue Zeit“ 1. Heft, Stuttgart 1883, und Fr. v. Oppenau brachte ſehr ſchätzenswerthe Mit⸗ teilungen in„Fühlings landwirtſchaftlicher Zeitſchrift“, Jahrgang 1877 S. 763 u. f., der vielen anderen in verſchiedenen Zeitſchriften erſchienenen Artikel nicht zu gedenken. Auch Verfaſſer, der für das laufende Schuljahr unſerer Anſtalt eine Programmarbeit übernommen hatte, möchte dieſe Gelegenheit dazu benutzen, geſtützt auf eine fünfjährige Wirkſamkeit(1869—1874) als Wirtſchaftsdirektor in Ober⸗ Italien ebenfalls einen kleinen Beitrag zur Kenntnis der gedachten Verhältniſſe zu liefern.
Der Ort meiner Wirkſamkeit war San Salvatore bei Conegliano, Provinz Treviſo, wo mir die Aufgabe wurde, dem für Verbeſſerungen in dem italieniſchen Landwirtſchaftsbetrieb begeiſterten Grafen von Collalto und San Salvatore, einen Teil ſeines ca. 6250 ha umfaſſenden Beſitztums in ein deutſchen Einrichtungen entſprechendes Gut umwandeln zu helfen. Die folgenden Mitteilungen werden ſich daher vorzugsweiſe auf die wirtſchaftlichen Verhältniſſe beziehen, die ich in der Provinz aus eigener Anſchauung kennen zu lernen Gelegenheit hatte. Die ſtatiſtiſchen Angaben ſind teils officiellen Bekanntmachungen der Königl. Präfektur zu Treviſo, teils den Angaben der Herrn Vianello, Carpenè und Taramelli in ihrem gemeinſchaftlichen Werke:„La vite ed il vino nella Provincia di Treviso“, Torino 1874, entnommen.
Das heutige Königreich Italien beſteht bekanntlich aus 16 Compartimenti oder Landſchaften und 96 Provinzen. Die Provinz Treviſo gehört nebſt den Provinzen Udine, Belluno, Vicenza, Verona, Padova(Padua), Rovigo und Venezia zur Landſchaft Veneto oder Venedig und iſt wieder in 8 Diſtrikte und 96 Gemeinden geteilt. Mit der Provinz Udine bildet ſie den Nordoſten des Königreichs. Gegen Oſten grenzt ſie an die Provinz Udine, gegen Norden an die Alpen, in welchen die Provinz Belluno liegt(daher Alpi Bellunesi), gegen Weſten an die Provinzen Padova und Vicenza und gegen Süden an die Provinz Venedig. Der Flächeninhalt der Provinz beträgt 232 532


