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Um den Strom momentan herſtellen zu können, war zwiſchen Umſchalter und genannter Klemme eine Morſetaſte eingeſchaltet. Einen beſonderen Umſchalter braucht man ſich nicht anzuſchaffen, da ihn jeder Kommutator bei geeigneter Schaltung erſetzen kann, eine praktiſche Anwendung, welche ich merkwürdiger Weiſe noch nirgends empfohlen gefunden habe. Der Strom der beiden Bunſen geht bei dieſer Anordnung zum Teil durch den Kompenſatordraht, zum Teil durch das Galvanoſkop und das jeweilig eingeſchaltete ſchwächere Element, während der ganze Strom des letzteren durch das Galvanoſkop geht und zwar bei der gegebenen Polverbindung in umgekehrter Richtung. Da bei Aus⸗ führung des Verſuches immer das Bunſen⸗Element geſchloſſen wurde, zeigte es ſich bald, daß der Stromanteil deſſelben, der durch das Galvanoſkop ging, im Verlauf weniger Sekunden an Stärke abnahm und das gleichzeitige Schlaffwerden des ausgeſpannten Drahtes verriet auch die Urſache da⸗ von; offenbar wurde durch die ſtarke Erwärmung des dünnen Platindrahts, d. h. durch die Vergröße⸗ rung des Widerſtandes der Strom geſchwächt und es mußte daher ein zweiter Stromunterbrecher zwiſchen der Bunſenbatterie und der rechten Klemme eingeſchaltet werden, um auch hier momentanen Schluß zu ermöglichen. Um auch in der kurzen Zeit den Einfluß der Erwärmung möglichſt zu ver⸗ ringern, fügte ich zwiſchen dieſem Unterbrecher und der rechten Klemme noch einen beliebigen Rheoſtat⸗ widerſtand ein, klein genug, um die Stromſtärke des Bunſen nicht unter die des Leclanché herabzudrücken.
Der Gang einer Meſſung iſt nun folgender: durch den Umſchalter wird das Daniell⸗Element eingeſchaltet, die Kompenſationsbatterie momentan geſchloſſen und noch während des Schluſſes ſchnell durch die andere Taſte auch das Daniell⸗Element und ſofort wieder geöffnet, noch ehe der Finger die erſte Unterbrechung wieder hergeſtellt. Aus dem Galvanoſkop⸗Ausſchlag nach der einen oder anderen Seite wird erkannt, in welcher Richtung der ſtärkere Strom durch das Element geht und der Platin⸗ kontakt ſo lange hin und her geſchoben, bis bei Wiederholung der eben geſchilderten Manipulation die Nadel des Galvanoſkops nicht die geringſte Zuckung mehr zeigt. Nun wird durch den Umſchalter des Daniell⸗Element aus⸗ und das Leclanché⸗Element eingeſchaltet und ebenſo verfahren. Die ver⸗ ſchiedenen Entfernungen des Kontaktſtückes, von dem linken Ende der Skala aus gerechnet, gaben das Verhältnis der beiden elektromotoriſchen Kräfte an.
Von den gegenwärtig in der Reichstelegraphie vielfach gebrauchten Braunſtein⸗Cylinder⸗Ele⸗ menten wurden 4 aus der Fabrik von Dr. Leſſing in Nürnberg, dem Lieferanten des Reichs, be⸗ zogene Exemplare auf ihre elektromotoriſche Kraft mit unſerem Apparat geprüft. Beim Daniell⸗Element ſtand die Schneide auf 294 mm, wenn das Galvanoſkop die Stromſtärke 0 anzeigte, bei den Braun⸗ ſtein⸗Cylinder⸗Elementen der Reihe nach auf 344, 368, 344 und 349; ihre elektromotoriſche Kraft war alſo 34 ½14 ßR= 1,17 Daniell, 56 4—= 1,25 Daniell, dann wieder 1,17 und endlich 34 ½ 12 = 1,19 Daniell....
Etwas ſtärker erwieſen ſich die Leclanché briquette⸗Elemente von denen ich zwei Exem⸗ plare unterſuchte. Ihre elektromotoriſche Kraft war nach obiger Methode ermittelt,= 1,32, reſp. —= 1,33 Daniell, alſo etwas größer als bei den vorigen. Auch 3 Exemplare der von Niaudet in Frankreich erfundenen, von Wien aus in den Handel gebrachten, Chlorkalk⸗Elemente unterſuchte ich und fand anfangs eine größere elektromotoriſche Kraft als bei den Leclanché⸗Elementen; als ſie aber einige Monate, ohne viel gebraucht zu werden, geſtanden hatten, ſank dieſelbe auf 1,00, 0,88 und 1,00 Daniell. Da ſie außerdem einen enormen Widerſtand haben, ſo ſind ſie, ſelbſt in größerer An⸗ zahl zu einer Batterie vereinigt, nur zu wenigen phyſikaliſchen Verſuchen brauchbar und verdienen nicht die großen Empfehlungen, die ihnen vorausgeſchickt wurden.— Der Verſuch, meinen Apparat noch zur Meſſung des inneren Widerſtandes inkonſtanter Elemente nach der Kompenſationsmethode von Beetz zu benutzen, hat bis jetzt, trotz mehrfacher Bemühungen, nur unbefriedigende Reſultate er⸗ geben; ich hoffe aber auch dieſes Ziel zu erreichen, ſodaß er, freilich in ſehr beſcheidenem Maße, als eine Art Univerſal⸗Meßapparat dienen kann..
1 Dr. Nauhaus.


