Aufsatz 
Proben einer Übersetzung von Cäsar's gallischem Krieg / von R. Zwirnmann
Entstehung
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26. So wurde nach zwei Seiten hin lange und heftig gekämpft. Ausser Stande, den stürmischen Angriffen der Unsrigen auf die Dauer zu widerstehen, zogen sich die Helvetier endlich theils, wie früher, nach der Berghöhe und theils zu ihren Gepäckwagen zurück. Während des ganzen Kampfes jedoch sah Niemand den Feind den Rücken wenden, obgleich vom Mittag bis zum Abend gestritten wurde. In der Nähe des helvetischen Fuhrparks schlug man sich sogar bis in die späte Nacht hinein. Die Feinde hatten nämlich eine Wagenburg geschlagen und überschütteten die anstürmenden Römer theils von oben herab mit Wurfgeschossen, theils schleuderten sie zwischen den Karren und Rädern von unten hervor Piken und Speere und verwundeten die Angreifer. Nach langem Kampfe bemächtigten sich die Unsrigen des helvetischen Fuhrparks und Lagers. Die Tochter und einer der Söhne des Orgetorix wurden bei dieser Gelegenheit gefangen genommen. Nach jener Schlacht waren ungefähr noch 130,000 Helvetier am Leben; dieselben zogen während der ganzen Nacht rastlos vorwärts, ohne auch nur einen Augenblick ihren Marsch zu unterbrechen, und gelangten nach vier Tagen in das Gebiet der Lingoner, während die Unsrigen wegen der Verpflegung der Verwundeten sowie wegen der Beerdigung der Gefallenen drei Tage gerastet hatten und daher nicht im Stande gewesen waren, die Flüchtlinge zu verfolgen. Cäsar liess jedoch den Lingonern durch Boten die schriftliche Aufforderung zugehen, die Helvetier weder mit Lebensmitteln, noch mit anderen Bedürfnissen zu unterstützen, und erklärte, dass er im entgegengesetzten Falle mit ihnen ebenso, wie mit den Helvetiern verfahren werde. Nach Verlauf jener drei Tage brach er mit seiner ganzen Streitmacht zur Verfolgung der Flüchtlinge auf. 3

27. Durch den Mangel an allen Lebensbedürfnissen in die Enge getrieben, schickten die Helvetier Abgeordnete an Cäsar, um ihre Unterwerfung anzubieten. Diese Abgeordneten trafen den römischen Feldherrn auf dem Marsche, warfen sich ihm zu Füssen und baten in den flehentlichsten Ausdrücken unter Thränen um Frieden. Cäsar gebot den Helvetiern, an der Stelle, an welcher sie sich damals befanden, seiner Ankunft zu harren. Sie gehorchten. An jener Stelle angelangt, forderte Cäsar die Stellung von Geiseln, sowie die Auslieferung der Waffen und der zu den Helvetiern übergelaufenen Sclaven. Während diese aufgesucht und zusammengebracht wurden, war die Nacht eingetreten; mit Beginn derselben schlichen sich etwa 6000 Mann von dem sogenannten Verbigenergau aus dem helvetischen Lager und wendeten sich nach den germanischen Rheinlanden: sei es, weil sie befürchteten, nach ihrer Entwaffnung niedergestossen zu werden, oder sei es, weil sie zu entkommen hofften, da nach ihrer Berechnung bei einer so bedeutenden Zahl von Gefangenen ihre Flucht möglicherweise unentdeckt oder ganz unbemerkt blieb.

28. Auf die Kunde von diesem Vorgange richtete Cäsar an die Bewohner der von den Verbigenern durchzogenen Landschaften die Aufforderung, die Flüchtlinge zu verhaften und ihm zu überantworten, wenn sie in seinen Augen gerechtfertigt da zu stehen wünschten. Die zurückgeführten Verbigener behandelte er als Landesfeinde, die Unterwerfung aller Uebrigen nahm er an, nachdem sie Geiseln, Waffen und Ueberläufer ausgeliefert hatten. Den Helvetiern, Tulingern und Latobrigern befahl er, in die von ihnen verlassenen Gaue zurückzuwandern und ihre niedergebrannten Städte und Dörfer wieder aufzubauen, und da sie nach dem Verluste aller ihrer Feldfrüchte in der Heimat nichts vorgefunden haben würden, um ihren Hunger zu stillen, so beauftragte er. die Allobroger, sie in ausreichendem Masse mit Lebensmitteln zu versehen. Zu dieser Massregel wurde er hauptsächlich durch den Wunsch bestimmt, dem von den Helvetiern verlassenen Lande Bewohner zu verschaffen und zu verhüten, dass die überrheinischen Germanen wegen der Fruchtbarkeit der helvetischen