Aufsatz 
Proben einer Übersetzung von Cäsar's gallischem Krieg / von R. Zwirnmann
Entstehung
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20. Divitiacus umfasste in tiefster Bewegung Cäsars Knie, beschwor ihn, keine zu harte Strafe über seinen Bruder zu verhängen, und erklärte, er wisse, dass jene Vorwürfe begründet seien, und Niemand bedauere dies mehr als er: auf seinen Schultern habe sich sein Bruder in einer Zeit emporgeschwungen, wo er selbst in seinem Vaterlande und in den übrigen Celtengauen sehr einflussreich, jener aber bei seinem jugendlichen Alter einflusslos gewesen sei, und beute nun diese Machtstellung zur Erschütterung seines Ansehens, ja zur Herbeiführung seines völligen Sturzes aus. Gleichwohl stehe er unter dem Einfluss der Bruderliebe und der öffentlichen Meinung. Wenn Cäsar trotz seiner freundschaftlichen Beziehungen zu ihm eine harte Strafe über Dumnorix verhänge, so werde Jedermann glauben, dass dies mit seiner Bewilligung geschehen sei, und dieser Gedanke werde ihm die Herzen sämmtlicher Gallier entfremden. Während der tieferregte Divitiacus mit einer Fülle von Worten solche Bitten an Cäsar richtete, drückte ihm dieser die Hand, sprach ihm Trost ein, bat ihn, seinem Flehen ein Ziel zu setzen, und betheuerte, der Einfluss, welchen Divitiacus bei ihm habe, sei so gross, dass er mit Rücksicht auf den Wunsch und die Bitte desselben das Unrecht, welches Dumnorix der Republik zugefügt habe, vergessen und seinen persönlichen Groll unterdrücken wolle. Er entbot den Dumnorix zu sich, hielt ihm in Gegenwart seines Bruders sein tadelhaftes Benehmen vor, theilte ihm seine Entdeckungen, sowie die Beschwerden seiner Gaugenossen mit, forderte ihn auf, in Zukunft alle Verdacht erregenden Schritte zu vermeiden, und erklärte, dass er ihm seinem Bruder Divitiacus zu Liebe das Vorgefallene verzeihe. Um jedoch einen Einblick in seine Beschäftigungen und Ver- bindungen zu gewinnen, umgab er ihn mit Spähern.

21. An demselben Tage wurde er von den Vortruppen benachrichtigt, dass die Feinde acht Meilen von seinem Lager am Fusse eines Berges Stellung genommen hätten; er entsandte daher Streifschaaren, um die Lage dieses Berges und die ringsum auf seinen Gipfel führenden Wege zu erkunden, und empfing die Meldung, dass sie leicht zugänglich seien. Er ertheilte darauf bald nach Beginn der dritten Nachtwache dem mit proconsularischer Gewalt bekleideten Legaten Titus Labienus den Befehl, mit zwei Legionen unter der Führung jener Streifschaaren, welche den Weg erkundet hatten, den Gipfel des Bergrückens zu erklimmen, und entwickelte ihm seine Pläne. Bald nach Beginn der vierten Nachtwache setzte er sich selbst auf demselben Wege in Marsch, welchen die Feinde eingeschlagen hatten, und schob seine gesammte Reiterei vor. Publius Considius, welcher für einen sehr fähigen Kriegsmann galt und in dem Heere des Sulla, sowie später in dem des Marcus Crassus gedient hatte, wurde mit den Vortruppen vorausgesandt.

22. Labienus hatte bei Tagesanbruch die Gipfelfläche des Berges besetzt, und Cäsar war nur 1500 Schritte vom Lager der Feinde entfernt, welche, wie er später durch Gefangene erfuhr, weder von seinem Anmarsche noch von der Nähe des Labienus Kunde hatten: da sprengte Considius in gestrecktem Laufe heran und berichtete, der Berg, dessen sich Labienus habe bemächtigen sollen, sei von den Feinden besetzt, die er an ihren Waffen und Helmverzierungen erkannt habe. Cäsar führte seine Truppen auf einen nahegelegenen Hügel und stellte sie in Schlachtordnung. Labienus aber erwartete nach Besetzung des Berges die Unsrigen und wich einem Zusammenstosse aus, da ihm Cäsar, um die Feinde von allen Seiten gleichzeitig angreifen zu können, den Befehl ertheilt hatte, nur dann zum Kampfe zu schreiten, wenn er die von ihm geführten Truppen in der Nähe des feindlichen Lagers erblicken würde. Erst spät am Tage erfuhr Cäsar durch die Vortruppen, die Seinigen hielten den Berg besetzt, die Helvetier seien weitergezogen, und Considius habe ihm unter