Aufsatz 
Proben einer Übersetzung von Cäsar's gallischem Krieg / von R. Zwirnmann
Entstehung
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Anschuldigungen des Liscus begründet waren. Jener Verräther, sagte man ihm, sei eben Dumnorix, ein Mann von äusserst verwegenem Charakter, der wegen seines freigebigen Sinnes bei den niederen Volksklassen in grosser Gunst stehe und eine Veränderung der Regierungsform wünsche. Derselbe habe mehrere Jahre hindurch die Zölle, sowie alle übrigen Gefälle der Aeduer für einen niedrigen Pachtzins erstanden, da Niemand sein Angebot zu überbieten wage. Durch diese Erwerbsquelle habe er nicht nur sein Privatvermögen vergrössert, sondern sich auch reiche Mittel zu Bestechungszwecken verschafft. Er besolde aus seiner Privatkasse eine grosse Zahl Berittener, welche sich beständig in seiner Umgebung befänden, und besitze nicht nur in seinem Vaterlande, sondern auch in den Nachbarstaaten einen bedeutenden Einfluss. Im Interesse dieser Machtstellung habe er seine Mutter mit dem vornehmsten und angesehensten Manne im Lande der Bituriger, sich selbst mit einer Frau aus Helvetien und seine Stiefschwester, sowie seine Geschwisterkinder mit Männern aus anderen Gauen vermählt. In Folge dieser verwandtschaftlichen Beziehungen sei er den Helvetiern in hohem Grade ergeben; er grolle übrigens auch dem Cäsar und den Römern aus persönlichen Gründen, da ihr Erscheinen seine Macht verringert und seinem Bruder Divitiacus die alte einflussreiche und geachtete Stellung wieder verschafft habe. Wenn die Römer eine Niederlage erleiden sollten, so könne er der zuversichtlichen Hoffnung Raum geben, mit Hülfe der Helvetier die Herrscherwürde zu erlangen; gelänge es den Römern jedoch, eine gebietende Stellung zu erringen, so müsse er nicht nur auf seine Herrscherträume, sondern auch auf die Hoffnung verzichten, sich im Besitze seines jetzigen Einflusses zu behaupten. Cäsar erfuhr auch bei seinen Nachforschungen, dass die Losung zur Flucht in dem vor einigen Tagen gelieferten unglücklichen Reitertreffen von Dumnorix und seinen Reitern gegeben worden sei Dumnorix stand nämlich an der Spitze der Reiterabtheilung, welche die Aeduer dem Cäsar zu Hülfe gesendet hatten und dass die übrigen Reiter durch die Flucht derselben in Verwirrung gerathen seien.

19. Zu diesen verdächtigen Anzeichen gesellten sich ferner folgende vollkommen verbürgte Thatsachen: Dumnorix hatte den Helvetiern den Weg durch das Gebiet der Sequaner geöffnet, hatte diese beiden Volksstämme zur gegenseitigen Stellung von Geiseln veranlasst, hatte dies alles nicht nur ohne Genehmigung, sondern auch ohne Vorwissen seiner Gaugenossen und Cäsars gethan und wurde von dem Gauvorsteher der Aeduer in Anklagestand versetzt. Cäsar glaubte daher, hinreichende Veranlassung zu haben, den Dumnorix zu bestrafen oder die Gaugenossen desselben zu seiner Bestrafung aufzufordern. Diesen ganzen Racheplan durchkreuzte nur ein Gedanke: Cäsar kannte die entschiedene Anhänglichkeit, welche Divitiacus, der Bruder des Dumnorix, dem Römervolke bewiesen hatte, das unleugbare Wohlwollen, welches er ihm persönlich entgegentrug, seine ausserordentliche Treue, Gerechtigkeitsliebe und Besonnenheit, und er befürchtete, die Gefühle dieses Mannes durch die Hinrichtung des Dumnorix zu verletzen. Bevor er sich daher zu irgend einem Schritte entschloss, entbot er den Divitiacus zu sich und unterredete sich nach Entfernung der gewöhnlichen Dolmetscher mit ihm durch Vermittlung seines Freundes Cajus Valerius Procillus, eines hochgestellten Mannes aus dem gallischen Provinzlande, dem er in jeder Beziehung unbedingtes Vertrauen schenken durfte. Er erinnerte ihn an die Anklage, welche in seiner Gegenwart in der Versammlung der gallischen Adelshäupter gegen Dumnorix erhoben worden war, theilte ihm gleichzeitig mit, was ihm die einzelnen Adelshäupter auf vertrauliche Anfragen über Dumnorix berichtet hatten, und bat ihn dringend, nicht zu zürnen, wenn er die Sache untersuche und eine Strafe über Dumnorix verhänge oder durch die

Gaugenossen desselben verhängen lasse. 2