Aufsatz 
Proben einer Übersetzung von Cäsar's gallischem Krieg / von R. Zwirnmann
Entstehung
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Unternehmungen ohne alle Schwierigkeit wäre, da er selbst an die Spitze seines Volkes treten würde; er hob hervor, dass die Helvetier unbestreitbar die mächtigste Nation in ganz Gallien seien, und versicherte, dass er seinen Freunden durch seinen Einfluss und seine Streitmacht die Königs- krone verschaffen würde. Solche Verheissungen wirkten: man wechselte eidliche Gelöbnisse und hoffte, im Besitze der königlichen Gewalt an der Spitze der drei mächtigsten und streitbarsten Völker- schaften ganz Gallien unterjochen zu können.

4. Dieses Ränkespiel gelangte durch Verrath zur Kenntniss der Helvetier. Ihrer Sitte gemäss warfen sie den Orgetorix in Ketten und zogen ihn zur Verantwortung. Im Falle der Verurtheilung musste ihn die Strafe des Flammentodes treffen. An dem angesagten Gerichtstage entbot Orgetorix alle Hörigen seines gesammten Bannkreises, etwa zehntausend Menschen, zur Gerichtsstätte und versammelte an derselben Stelle alle seine Dienstmannen und Schuldner, deren er eine namhafte Zahl hatte; mit Hülfe derselben wusste er sich dem gerichtlichen Verhör zu entziehen. Empört über diesen Gewaltschritt dachte die Volksgemeinde daran, mit den Waffen in der Hand ihrem Rechte Achtung zu verschaffen, und die Gauvorsteher boten die Landbevölkerung in Masse auf: da starb Orgetorix und nach der Ansicht der Helvetier liegt der Verdacht nahe, dass er sich selbst den Tod gegeben. 2

5. Gleichwohl schritten die Helvetier nach dem Ableben des Orgetorix zur Durchführung ihres Wanderplanes. Als sie endlich reisefertig zu sein glaubten, übergaben sie alle ihre Städte, etwa 12 an der Zahl, gegen 400 Dörfer und sämmtliche Einzelhöfe den Flammen, verbrannten alle Lebensmittel, welche sie nicht mitzunehmen gedachten, um sich die Rückkehr in die Heimat unmöglich zu machen und entschlossenen Sinnes allen Fährlichkeiten entgegen zu gehen, verpflichteten jedes Familienhaupt, sich mit Getreidemehl für drei Monate zu versehen, beredeten ihre Nachbarn, die Rauraker, Tulinger und Latobriger, denselben Entschluss zu fassen, ihre Städte und Dörfer in Asche zu legen und mit ihnen auszuwandern, und nahmen endlich auch die Bojer in ihre Waffengenossenschaft auf, welche, ursprünglich jenseits des Rheins sesshaft, in das norische Gebiet eingedrungen waren und Noreja angegriffen hatten.

6. Es gab nur zwei Wege, auf denen die Helvetier ihr Heimathland venlassen konnten: der eine, ein gefahrvoller Engpass zwischen dem Juragebirge und dem Rhodanus, führte durch das Gebiet der Sequaner, war kaum für einzelne Wagen fahrbar und wurde von einer schroff ansteigenden Bergwand überragt, so dass er mit Leichtigkeit von wenigen Bewaffneten gesperrt werden konnte; der andere durchschnitt das römische Provinzland und war ungleich zugänglicher und wegsamer, da der Rhodanus, der Grenzstrom zwischen Helvetien und dem neugewonnenen Allobrogergebiete, mehrere leicht zu durchschreitende seichte Stellen hat. Die letzte, an Helvetien grenzende Stadt der Allobroger ist Genava. Von dieser Stadt aus führt eine Brücke nach Helvetien hinüber. Die Bewohner dieses Landes hofften, den Allobrogern, welche sich allem Anscheine nach noch nicht mit der römischen Herrschaft befreundet hatten, auf dem Wege der Unterhandlung oder der Gewalt die Erlaubniss zum Durchzug durch ihr Gebiet abzuringen. Als sie alle Reisevorbereitungen getroffen hatten, beschlossen sie, sich vollzählig an dem Ufer des Rhodanus an einem bestimmten Tage einzufinden. Es war dies der 28. März des Jahres, in welchem Lucius Piso und Aulus Gabinius das Consulat verwalteten.

7. Als Cäsar erfuhr, dass die Helvetier durch das römische Provinzgebiet zu ziehen beabsichtigten,

so verliess er schleunigst die Hauptstadt und reiste mit möglichster Eile nach dem transalpinischen Gallien. Da hier nur eine einzige Legion stand, so liess er nach seiner Ankunft zu Genava in