Aufsatz 
Proben einer Übersetzung von Cäsar's gallischem Krieg / von R. Zwirnmann
Entstehung
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allen Provinzbezirken eine möglichst grosse Zahl von Truppen ausheben und verfügte den Abbruch der bei Genava befindlichen Brücke. Auf die Kunde von dem Eintreffen Cäsars ordneten die Helvetier die angesehensten Männer ihres Gauverbandes, an ihrer Spitze den Nammejus und Veruclötius, als Gesandte an ihn ab, um zu erklären, sie beabsichtigten, ohne den geringsten Schaden anzurichten, durch das Provinzgebiet zu ziehen, da sie keinen anderen Weg hätten, und ersuchten ihn um Gestattung des Durchzuges. Cäsar, welcher sich sehr wohl erinnerte, dass die Helvetier den Consul Lucius Cassius erschlagen und sein Heer besiegt und unter das Joch geschickt hatten, hielt es nicht für rathsam, jene Erlaubniss zu ertheilen; auch konnte er sich nicht denken, dass die feindselig gestimmten helvetischen Wanderhorden sich rechtswidriger Ausschreitungen enthalten würden, wenn er ihnen den Durchzug durch das Provinzland gestattete. Um jedoch wo möglich eine Frist zur Heran- führung der neu gebildeten Legionen zu erhalten, erwiderte er den Gesandten, er wolle sich Zeit lassen, um ihre Bitte in Erwägung zu ziehen; wenn sie seine Entschliessung zu erfahren wünschten, so möchten sie sich am 13. April wieder einfinden.

8. Inzwischen liess Cäsar durch die Legion, welche er vorfand, sowie durch die Truppen, welche ihm aus dem Provinzgebiete zuströmten, einen Graben ziehen und einen 16 Puss hohen, 19 Meilen langen Erdwall aufwerfen, der sich von dem Einfluss des Leman-Sees in den Rhodanus bis zum Jura, dem Scheidegebirge zwischen Helvetien und dem Sequanerlande, erstreckte. Nach Vollendung dieser Befestigungslinie stellte er eine Kette von Posten auf und liess geschlossene Schanzen errichten, um etwaigen gewaltsamen Durchbruchsversuchen leicht entgegentreten zu können. Als die helvetischen Gesandten an dem verabredeten Tage wieder bei ihm erschienen, so erklärte er sich im Hinblick auf die überlieferten Grundsätze der römischen Politik ausser Stande, einem fremden Volke den Durchgang durch das Provinzland zu gestatten, und fügte hinzu, er sei entschlossen, sich einem etwaigen gewaltsamen Durchgangsversuche zu widersetzen. Die enttäuschten Helvetier versuchten theils auf an einander gereihten Schiffen, sowie auf mehreren schnell gebauten Flössen, theils durch Benutzung der seichtesten Stromstellen, bald bei Tage, bald bei Nacht, den Durchbruch zu erzwingen, mussten jedoch Angesichts der Festigkeit der römischen Verschanzungslinien und der entschlossenen Gegenwehr der rasch herbeieilenden Vertheidigungstruppen diese Versuche bald aufgeben.

9. So blieb nur der eine Weg durch das Gebiet der Sequaner; derselbe konnte jedoch bei seiner geringen Breite nur mit Genehmigung der Landesbewohner betreten werden. Da die Helvetier diese auf eigene Hand nicht für ihre Wünsche zu gewinnen vermochten, so sendeten sie Bevoll- mächtigte an den Aeduer Dumnorix, um durch die Verwendung desselben zum Ziele zu gelangen. Dumnorix hatte sich durch sein gewinnendes Auftreten und durch seinen freigebigen Sinn einen bedeutenden Einfluss bei den Sequanern zu verschaffen gewusst und war auch den Helvetiern durch seine Vermählung mit der Tochter ihres Gaugenossen Orgetorix näher getreten; da er nach der Königswürde strebte, so wünschte er eine Veränderung der Verfassung und war bemüht, möglichst viele Völkerschaften durch Freundschaftsdienste für seine Zwecke zu gewinnen. Er nahm sich darum der Sache bereitwilligst an, beredete die Sequaner, den Helvetiern den Durchzug durch ihr Gebiet zu gestatten, und bewog beide Völkerschaften zum Austausch von Geiseln: die Sequaner verpflichteten sich, den Durchmarsch der Helvetier nicht zu hindern; die Helvetier dagegen versprachen, sich während des Durchmarsches rechtswidriger Ausschreitungen zu enthalten.

10. Cäsar erhielt die Nachricht, dass die Helvetier durch die Gaue der Sequaner und der Aeduer in das Gebiet der Santoner unweit der im Provinzbezirke ansässigen Tolosaten einzuwandern