Proben einer Uebersetzung von Cäsar's gallischem Krieg.
I. Cäsar's Feldzug gegen die Helvetier. (1. 2— 29.)
2. Orgetorix war unstreitig der vornehmste und reichste Mann in Helvetien. Von dem Streben nach königlicher Machtstellung verleitet, wusste er unter dem Consulate des Marcus Messala und des M. Piso im geheimen Bunde mit den Adelsgeschlechtern seine Volksgenossen zu bereden, mit Weib und Kind auszuwandérn. Bei ihrer entschiedenen kriegerischen Ueberlegenheit, so erklärte er, würden sie sehr leicht die Herrschaft über das ganze gallische Land erringen. Die Helvetier liessen sich schon desshalb unschwer von ihm für jenen Schritt gewinnen, weil sie nach allen Seiten durch scharfe Naturgrenzen abgeschlossen sind: nach der einen Seite durch den breiten und tiefen Rhein- strom, welcher das helvetische Gebiet von Germanien scheidet, nach der zweiten durch das hohe Juragebirge, welches sich zwischen den Gauen der Sequaner und Helvetier hinzieht, nach der dritten durch den Leman-See und den Rhodanus, welcher das römische Provinzland von Helvetien trennt. Durch eine solche Bodengestaltung wurden die Helvetier gehindert, sich auszubreiten und ihre Waffen in die Nachbarländer zu tragen: Zustände, welche das streitbare Volk mit lebhaftem Unmuth erfüllten. Im Verhältniss zu ihrer Volkszahl und in Anbetracht ihrer weitgerühmten, kriegerischen Tapferkeit schien den Helvetiern ein Wohngebiet unzureichend, welches einen 240 Meilen langen, 180 Meilen breiten Flächenraum umfasste.
3. Aus den angegebenen Gründen beschlossen die Helvetier auf den Rath des Orgetorix, sich reisefertig zu machen, eine möglichst grosse Zahl von Lastthieren und Wagen aufzukaufen, möglichst viele Felder zu bestellen, um auf ihrem Wanderzuge hinreichende Getreidevorräthe zu haben, und die Bande des Friedens und der Freundschaft mit den Nachbarvölkern enger zu knüpfen. Zur Er- ledigung dieser Aufgaben schien ihnen ein Zeitraum von zwei Jahren zu genügen; das dritte Jahr wurde durch ein Staatsgesetz zur Auswanderung bestimmt. Mit der Leitung des Ganzen ward Orgetorix betraut. Derselbe unterzog sich für seine Person einer Gesandtschaftsreise in die Nachbarstaaten. Auf dieser Reise beredete er den Sohn des Catamantalödes, den Sequaner Casticus, dessen Vater
eine Reihe von Jahren hindurch im Sequanerlande die Königswürde bekleidet und mit dem römischen
Senate in freundschaftlichen Beziehungen gestanden hatte, die Hand nach der Krone seines Landes auszustrecken, in deren Besitze sein Vater einst gewesen war. Ebenso veranlasste er den Bruder des Divitiacus, den Aeduer Dumnorix, der damals das Vorsteheramt in seinem Gau bekleidete und bei den niederen Volksklassen ausserordentlich beliebt war, denselben Versuch zu machen, und gab ihm seine Tochter zur Ehe. Er überzeugte die genannten Männer, dass die Ausführung der geplanten


