Beiträge zur Geschichte von Oberlahnstein.
Im Geschichtsunterricht wird von unserer lieben Jugend— das wollen wir Lehrer offen bekennen— ausserordentlich viel verlangt, das zu bearbeitende Gebiet wächst masslos in die-Länge und in die Breite, und vergebens sucht man nach der Schere, die endlich einmal den Stoff etwas beschneidet. Es ist ja allerdings in mancher Beziehung eine Besse- rung eingetreten: im ganzen und grossen wird mehr Rücksicht auf die kulturgeschichtliche Entwickelung der Völker genommen, allein meiner unmassgeblichen Meinung nach könnte man noch eine ganze Reihe von Schlachten und Gefechten, wenn sie nicht gerade eine ent- scheidende Wendung herbeiführen, beim Unterricht übergehen, eine ganze Menge von Feld- herrn und Unterfeldherrn getrost bei den Toten ruhen lassen: dadurch würde das Gedächtnis unserer Schüler schon weniger belastet werden. Auch werden zu grosse Anforderungen gestellt bezüglich der Kenntnis der Geschichte der alten Völker und der ausserdeutschen Nationen; nnd wenn auch in dieser Beziehung eine gesunde Strömung in neuerer Zeit nicht zu verkennen ist, so leidet doch immerhin noch die vaterländische, die heimische Geschichte unter diesem Missstand. Die von der Hochschule mitgebrachten Kollegienhefte haben schon viel Unheil angerichtet, weiss ich doch recht gut, dass sogar nach solchen Heften Diktate gegeben wurden, unter Umständen heute noch ge- geben werden. Da kam es denn wohl vor, dass ein Abiturient über die Phylen Athens gründlichst Auskunft zu geben wusste, dass ihm aber die Person Alexanders des Grossen vollständig unbekannt war. Und wir Geschichtslehrer leiden alle mehr oder weniger an dem Fehler, dass wir alles das, was uns von unsern verehrten Lehrern am Gymnasium und auf der Hochschule als wichtig und wissenswert bezeichnet wurde, auch von unseren Schülern verlangen. Während ich in vieler Beziehung den Stoff beschnitten sehen möchte, drängt es mich auf der anderen Seite, eine Lanze für die Lokalgeschichte einzulegen, die meiner Ansicht nach— wenn auch in sehr beschränktem Mass— in den Rahmen des Geschichts- unterrichts hereingezogen zu werden verdient. Ich bin überzeugt, dass mir die meisten meiner Herren Kollegen in diesem Punkt zustimmen werden, ich selbst habe die Erfahrung öfters gemacht, dass ich sogar den sonst teilnahmlosen Schüler durch Erwähnung seines Heimatsortes aus der Gleichgiltigkeit aufzurütteln wusste, dass ich ihm dann auch damit Interesse für die Geschichte im allgemeinen abgewann. Allerdings wird mir mancher einwerfen, dass ich das Glück hätte, am Rhein wirken zu dürfen, und ich gebe gern zu, dass ich dabei etwas im Vorteil bin, aber es ist jeder Boden, jeder Platz in unserem Vater-
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