Aufsatz 
Leitfaden über die Erziehung und Behandlung der Obstbäume
Entstehung
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derſelbe als bevorſtehend bemerkt wird, das eine Auge(am beſten das oberſte) ausbricht, wodurch oft ein Auge auf der entgegeugeſetzten Seite zum Austreiben kommt. Sollte dies nicht gelingen, ſo läßt man nur einen der ausgetriebenen Aeſte ſtehen und behandelt ihn, wie oben.

Von den 3 oder 4 ausgetriebenen Zweigen wähle man 2 der günſtigſten, wo möoglich, gleich ſtarke aus und behandle ſie, als wären nur ſie von Anfang da geweſen; die andern ſchneide man weg. Nach gleichen Regeln behandelt man die verſchiedenen möglichen Fälle in allen folgenden Jahren bis zur völligen Kronenbildung, wobei man beſtändig auf gleichmäßige Ausbreitung der Krone ſteht; denn eine einſeitige Krone iſt an jedem Baume, beſonders aber an Spalier⸗ bäumen, ein Uebelſtand. Am ſchwierigſten wird das Ebenmaß zu erhalten ſein, wenn das Spalier von Norden nach Süden gerichtet iſt, weil alle Zweige auf der ſüdlichen Seite einen ſtärkern Wuchs zeigen. Man ſchneide daher, namentlich anfangs, die Nordſeite etwas ſtärker. Die größte Schoͤnheit eines ſolchen Baumes beſteht, außer der gleichmäßigen Ausbreitung der Krone, in der völligen Belau⸗ bung der ganzen Spalierfläche. Es wird dieſes dadurch erzielt, daß man in den ſpätern Jahren alle in die Krone, jedoch nicht gegen den Stamm gerichtete ſchwächere Zweige ſtehen läßt und anbindet. Nie darf ein Zweig ſtehen bleiben, welcher aus der Krone herauswächſt. Um ein Ebenmaß aller Aeſte zu erlangen, und das Austreiben unnöthiger Zweige zu verhüten, wende man den ſogenannten Sommerſchnitt an, d. h. man ſehe von 14 zu 14 Tagen nach, ob und wo über⸗ flüſſige Zweige zum Vorſchein kommen wollen, und breche dieſe aus. Man hefte alle gleichmäßig gebildete Zweige in gehöriger Lage an das Spalier, laſſe aber alle ſchwächliche Hauptäſte frei wachſen. Sobald der Baum zum völligen Frucht⸗ tragen zugelaſſen werden darf, ſchneide man einen Aſt um den andern, nämlich den einen in dieſem, den Nachbaraſt im nächſten Jahre und wechsle ſo fort⸗ während ab.

Der Fächerzug iſt von der Gabelform nur dadurch verſchieden, daß zur Grundlage nicht gerade zwei Aeſte dienen, ſondern daß alle Aeſte hierzu benutzt werden können, welche nahe bei einander ſtehen und nicht aus der Mitte des

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