Aufsatz 
Leitfaden über die Erziehung und Behandlung der Obstbäume
Entstehung
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ausfüllen helfen; jedoch dürfen ſich keine Aeſte kreuzen. Letzteres iſt auch bei bei⸗ den vorigen Kronenformen nicht zu dulden.

B. Der Schnitt der Zwergbäume. Die zu Zwergbäumen beſtimmte Unterlage veredelt man am beſten auf dem Standorte. Die Hauptformen der Zwergbäume ſind: Spalier⸗, Pyramiden⸗ und Buſchbäume.

a) Der Schnitt der Spalierbäume.

Bei den Spalierbäumen breitet ſich die Krone nur nach zwei entgegengeſetz⸗ ten Seiten mehr in Form einer Fläche aus. Man unterſcheidet bei ihnen drei Formen: die Gabel⸗, Radſpeichen⸗ oder Fächer⸗ und Herzſtammform. In Anſehung der erſten hört der Stamm beim Beginn der Aeſte auf; eine Gabel von zwei gleich ſtarken, unter gleichen Winkeln nach beiden Seiten des Stammes möglichſt ſchief laufenden Aeſten bildet die Grundlage der Krone. Aus dieſen und allen folgenden Aeſten entwickeln ſich neue Gabeln, deren Zweige immer in ſchie⸗ fer Richtung gehalten werden. An dem zu dieſer Form beſtimmten Baume laſſe man im erſten Jahre den ſtärkſten ſenkrechten Zweig ſtehen und verkürze ihn auf 4 Augen. Verſchiedene Fälle können für die Behandlung im nächſten Jahre Statt finden. Es treibt nämlich aus den 4 gebliebenen Augen nur 1 Zweig, oder es entſtehen 2, 3 oder 4 Zweige. Treibt nur ein Zweig, und zwar aus dem un⸗ terſten Auge, ſo nehme man das ältere Holz über demſelben ab und verkürze ihn auf 3 4 Augen; treibt ein's der mittlern oder das oberſte Auge, ſo verkürze man auf 3 oder 2 Augen, und zwar um ſo mehr, je höher der Zweig ſitzt, da⸗ mit der Stamm nicht zu lang werde. Im Falle ſich im erſten Jahre zwei Zweige zeigen, können dieſe auf einer oder beiden Seiten, höher oder tiefer, ſtehen. Der günſtigſte Fall iſt, wenn die zwei unterſten Augen ausgetrieben haben; dieſe Zweige verkürze man auf 4 Augen, binde ſie aber nur im Nothfalle an das Spalier. Je höher die zu beiden Seiten getriebenen Zweige ſtehen, deſto kürzer muß geſchnitten werden. Der ungünſtigſte Fall iſt, wenn die beiden Zweige auf einer Seite erſcheinen; dieſem ſucht man dadurch vorzubeugen, daß man, ſobald