23
Bei den Kugel⸗ und Pyramidenformen werden die Zweige im erſten Jahre auf 2— 4, im folgenden auf 4— 6 Augen u. ſ. f., jedes Jahr weniger, verkürzt, ſo daß nach 4— 6 Jahren das Beſchneiden der Zweige gänzlich aufhört und nur das überflüſſige Holz weggenommen wird. Zu bemerken iſt, daß nach Grundſatz 4 und 7 der Schnitt den Fruchtanſatz nicht vermehrt, ſondern vermindert, und daß er deßhalb in der bezeichneten Zeit aufhören muß. Nur nach einem guten Fruchtjahre ſchneide man wieder, und zwar nach Grundſatz 8 möglichſt ſtark. Steinobſtbäume, welche ihre Frucht am einjährigen Holze tragen, bedürfen des Schnittes bis in's Alter, damit immer viel junges Holz erzeugt werde. Bei un⸗ regelmäßiger Kronenbildung berückſichtige man Grundſatz 4.
Wie ſchon bemerkt, bedarf die Keſſelform einer beſondern Aufmerkſamkeit, und da dieſe Form nur für Obſtbäume, die in Gärten gepflanzt werden, geeignet iſt, und zur Zeit der Kronenbildung ein kräftiger Wuchs verlangt wird; ſo pflanze man den Wildling lieber gleich auf den Standort und veredle ihn hier. Um ei⸗ nen recht kräftigen Wuchs zu erzielen, verkürze man den Hauptſtamm jedes Jahr im umgekehrten Verhältniß zur Stärke des Banmes. Zur Grundlage der Krone nehme man 4— 5 Zweige, welche nahe bei einander ſtehen und möglichſt gleich ſind. Sie werden nach ſtarker Verkürzung an einen, durch mehrere Pfähle befe⸗ ſtigten Reif ſo angebunden, daß ſie eine faſt wagrechte Lage erhalten. Im näch⸗ ſten Jahre wird ein größerer Reif gewählt, die Seitenzweige werden abgenommen, die Hauptäſte abermals ſtark verkürzt und in gleicher Richtung, wie früher, ange⸗ bunden, damit ſich die Krone unten recht ausdehne. Im Falle ein Aſt im Wuchs zurückbleiben ſollte, wird er zwar ſtark beſchnitten, aber nicht angeheftet. Hat die Krone eine gehörig breite Grundlage, ſo führt man die Aeſte unter beſtändigem Schnitt in die Höhe und verkürzt die Seitenäſte nur wenig, um viele, aber nicht ſtarke Zweige zu erzielen. Die größte Schönheit eines Keſſelbaumes beſteht in der regelmäßigen Abrundung der Krone, in dem innern keſſelförmigen leeren Raum und in ſtarker Belaubung der Wand. Man laſſe daher keinen Aſt aus dieſer heraus⸗ oder in den Keſſel hineinwachſen, ſchneide die Hauptzweige immer ſtark, die Nebenzweige aber ſchwach und behalte alle Seitenäſte bei, welche die Wand


