Aufsatz 
Leitfaden über die Erziehung und Behandlung der Obstbäume
Entstehung
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ler in der fernern Behandlung zu machen, beachte man nach den verſchiedenen Obſtarten beſonders die Grundſätze von 4 an, und berückſichtige dabei, in welcher Weiſe der Baum gewöhnlich ſeine Fruchtzweige anſetzt. Dieſe ſind entweder:

a. Fruchtſpieße, oder

b. Fruchtruthen, oder

c. Bouquetzweige, oder d. einzeln ſtehende Blüthenaugen ohne beſondere Formen.

Fruchtſpieße ſind 2 3 Zoll lange, mit ſchwachen Laubaugeu beſetzte Zweige, welche nur am äußern Ende ein vollkommnes Blüthenauge haben, das mit Ringelwüchſen umgeben iſt. Wir finden ſie beſonders bei Kernobſtbäumen, und ſie brauchen gewöhnlich 2 3 Jahre zu ihrer völligen Ausbildung.

Fruchtruthen ſind mehrere Schuh, oft mehrere Ellen lange, ſchwanke, leicht biegſame Zweige, welche mit nahe ſtehenden hervorragenden Blüthenaugen, meiſt aber mit Drillingsaugen beſetzt ſind, gewöhnlich erſt als Fruchtſpieße erſchei⸗ nen und in der Regel 2 3 Jahre zu ihrer völligen Ausbildung bedürfen. Auch ſie erſcheinen an Kernobſt⸗, aber auch an vielen Steinobſtbäumen, namentlich an den Pfirſichen.

Bouquetzweige ſind ſolche Zweige des einjährigen Holzes, namentlich der Kirſchen, welche an ihren Spitzen gedrängt ſtehende Blüthenaugen haben, in deren Mitte ſich ein einziges Laubauge zeigt. Zur Blüthezeit bilden ſie einen Strauß.

Büthenaugen ſind diejenigen Augen, welche die Beſtimmung haben, durch Samenerzeugung die Art in neuen Individuen fortzupflanzen. Sie unterſcheiden ſich von den Laubaugen gewöhnlich durch großere Angeſchwollenheit, durch eine wolligere wärmere Umhüllung und größere Abrundung an der Spitze und erzeu⸗ gen ſich meiſtens durch den abwärts gehenden Saft. Doch ſind ſie beim Stein⸗ obſt nicht immer leicht zu erkennen. Aus ihrer Entſtehungsart läßt ſich auch er⸗ klären, warum das am Ende eines verkürzten Zweiges befindliche Blüthenauge keine Frucht bringt, und warum ein ſo verkürzter Zweig bis zum nächſten Laub⸗

auge abſtirbt.