Aufsatz 
Leitfaden über die Erziehung und Behandlung der Obstbäume
Entstehung
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den. Als Verwahrungsmittel eignet ſich am beſten ein Stück Rinde von der Stammlänge, welches, zuſammengerollt, um den Baum geſtellt wird; auch nimmt man Reiſer und Dornen mit nicht ſcharfen Stacheln dazu. Das Verbinden mit Stroh iſt bei jungen Bäumen immer eine bedenkliche Sache, da dieſes, wenn es regnet, durchnäßt, der Baum, wenn es bald darauf friert, in eine Eisrinde eingehüllt, und das Stroh leicht der Aufenthaltsort für Ungeziefer wird. Gegen. das Mittel, Wild durch Beſtreichen mit fettigen Stoffen abzuhalten, muß ich mich hier auf das Beſtimmteſte erklären, indem das Fett im erweichten Zuſtande in die Poren des Baumes eindringt, ſomit die Ausdünſtung verhindert und zum baldigen Lebensende beiträgt.

Der Verband wird jedes Jahr erneuert, das Verwahrungsmittel bleibt aber den Sommer über weg. Sollte durch das Anbinden der Stamm ſich am Pfahle reiben, ſo muß Moos, dürres Gras oder Stroh zwiſchen Pfahl und Baum ge⸗ legt werden. Die Krone der im Herbſte verſetzten Bäume wird erſt im nächſten

Frühjahr auf die früher beſchriebene Weiſe beſchnitten. Den fernern Schnitt betreffend, hat man anfangs nur die regelmäßige Kro⸗ nenbildung und nach 45 Jahren den Fruchtanſatz zu berückſichtigen. Der Form der Krone nach unterſcheidet man Kugel⸗, Pyramiden⸗ und Keſſelbäume. Bei den Kugelbäumen reicht der Stamm nur bis zu den Aeſten, und dieſe breiten ſich in Form einer Kugel nach allen Seiten gleichmäßig aus; bei den Pyramiden⸗ bäumen geht der Stamm bis zur Spitze fort, und die Krone bildet die Form ei⸗ ner runden Pyramide oder eines mathematiſchen Kegels; bei den Keſſelbäumen hört der Stamm an der Krone auf, während dieſe eine Halbkugel, welche im Innern in Form eines Keſſels ausgehöhlt iſt, bildet. Nur der Schnitt der Keſſel⸗ bäume hat bei regelmäßigem Wuchſe einige Schwierigkeit. Nach Grundſatz 1 be⸗ achte man zuerſt, zu welcher der bezeichneten Formen der Baum ſeiner Art nach geeignet iſt. Zur Pyramidenform eignen ſich beſonders Birn⸗ und Kirſchen⸗, ſel⸗ ten Apfelbäume; zur Kugelform faſt alle Apfel⸗ und viele Pflaumenarten; zur Keſſelform zeigen Bäume ſelten einen völlig natürlichen Wuchs, weßhalb dieſe Form unterſtützt, keineswegs aber erzwungen werden darf. Um keinen Feh⸗