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9. Das Kernobſt ſetzt ſeine Fracht gewöhnlich am ältern, das Steinobſt am jährigen Holze an. ¹
10. Aus einem Laubauge(ſiehe unten) kann ſich keine Blüthe und aus einem Blüthenauge kein Holz entwickeln.
11. Bei den Steinobſtbäumen bleibt jede Blüthenknospe, welche kein Laubauge bei ſich hat, unfruchtbar.
12. Jeder Zweig, welcher der gehörigen Einwirkung der Luft und des Lichts entbehrt, treibt ſchlank und ſchwach⸗ und trägt keine oder ſchlechte Früchte.
13. Die Zweige des Steinobſtes, welche Früchte gebracht haben, tragen faſt nie zum zweiten Male; beſonders iſt dieſes beim Pfirſichbaum der Fall.
Beim Beſchneiden der Bäume in der Baumſchule hat man, wie oben be⸗ merkt, beſonders ihre Form zu berückſichtigen. Nach dieſer unterſcheidet man Hoch⸗ und Zwergſtämme. Unter Hochſtamm verſteht man jeden Baum, der einen über 5 Fuß hohen Stamm hat, und bei dem ſich die Krone erſt in dieſer Höhe bildet— und unter Zwergſtamm denjenigen, deſſen Kronenbildung ganz nahe an der Erde beginnt, wiewohl ſich der Stamm, wie bei einigen Formen, bis zur Kronenſpitze fortziehen kann.
A. Das Beſchneiden der Hochſtämme.
Der Schnitt der Hochſtämme bis zur Kronenhöhe iſt, wenige Fälle aus⸗ genommen, ſehr einfach. Man läßt den ſtärkſten, gerade in die Höhe gehenden Zweig ſtehen und ſchneidet alle Seitenzweige weg. Bis zur Kronenhöhe, welche gewöhnlich 6— 8 Fuß beträgt, bedarf der Baum 3— 4 Jahre. Sollte der Stamm zu ſchlank bleiben wollen, ſo läßt man nach Verhältniß der Stammdicke mehrere ſchwache Seitenzweige ſtehen und verkürzt dieſe auf 1— 2 Zoll über einem abwärts weiſenden Auge, in welchem Falle der Saft in dem Triebe nach oben aufgehalten und mehr ſeitwärts zu wirken genöthigt iſt; zugleich wird ein ſtarker Trieb der Seitenzweige durch das abwärts ſtehende Auge nach Grundſatz 3 verhindert. Sobald der Stamm die gewünſchte Dicke erlangt hat, werden die Seitenzweige abgenommen. Bei einem Stamme, der nicht gehörig in die Höhe treiben will, bleiben nicht nur keine Seitenzweige ſtehen, ſondern es wird in um⸗


