Aufsatz 
Leitfaden über die Erziehung und Behandlung der Obstbäume
Entstehung
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edlungsſtelle abgenommen; jedoch bleibt bei dem auf's ſchlafende Auge okulirten Bäumchen noch ein kleiner Theil mit einem Auge oder ſchwachen Zweige bis nach Johanni ſtehen*).

Bei allen Veredlungsarten hat man darauf zu ſehen, daß der, aus den durchſchnittenen Baſtgefäßen kommende Lebensſaft in die Gefäͤße leicht dringen kann; daher iſt das Anſchließen der Baſtgefäße und die Verhinderung des Saft⸗ ausfluſſes Hauptſache. 3 Die veredelten Bäume verſehe man ſogleich mit einem Pfahle. Nach der Veredlungszeit gehe man einige Wochen lang nicht in die Zwiſchenräume der Rei⸗ hen, damit die Edelreiſer nicht abgeſtoßen werden. Ueberhaupt ſollte man die Baumſchule nie beſuchen, wenn man keine Arbeit darin hat, und ſtets ſich nur in der Richtung der Reihen darin bewegen. An den auf irgend eine Weiſe veredelten Bäumen hat man in demſelben Jahre den Verband zu lockern oder abzunehmen, und darauf zu achten, daß aus dem Wildlinge unterhalb der Veredlungsſtelle keine Zweige austreiben; man ſieht deßhalb von 14 zu 14 Tagen nach und nimmt die hervorkommenden ab. Die Baumſchule wird durch mehrma⸗ liges Graben locker und von Unkraut rein erhalten; doch ſollte dieſe Arbeit nie kurz nach der Veredlungszeit, bei naſſer Witterung oder anhaltender Trockenheit vorgenommen werden. Daß man die Bäume nach ihrer Art trennt, die einzelnen Sorten mit Namenspfählen verſieht und nur Bäume von gleichem Alter zuſam⸗ menpflanzt, damit ſie auch zu gleicher Zeit ausgenommen werden können, bedarf kaum der Erwähnung.

4) Das Beſchneiden.

Die wichtigſte Arbeit an den veredelten Bäumen iſt vom zweiten Jahre an das Beſchneiden. Der Zweck dieſer Verrichtung in der Baumſchule beſteht darin: den Baum in die gewünſchte Form zu bringen und ihn in ſeinem Wuchs zu

*) Weitere Veredlungsarten ſiehe: Die Obſtbaumzucht nach den neueſten Anſichten und eigner vieljähriger Erfahruug von J. C. Fintelmann. Erſter Theil, Seite 118 u. f. Berlin 1839. Ueberhaupt iſt dieſes ein in jeder Hinſicht empfehlenswerthes Buch.