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ſpule von dem Holze, wobei übrigens darauf zu achten iſt, daß der Keim in dem Auge des Schildes ſitzen bleibt. Dies erkennt man daran, wenn dem Auge gegenüber auf der innern Seite des Baſtes keine Vertiefung bemerkbar iſt. Auch kann mit dem Okulirmeſſer etwas Holz mit dem Auge ausgeſchnitten und die dünne Holzſcheibe dann abgezogen werden;— im Falle das Cdelreis ſehr ſaftreich oder ſchon etwas ausgetrocknet iſt, darf die Holzſcheibe an dem Schilde bleiben. Am Wildling macht man an der Stelle, wo das Auge eingeſetzt werden ſoll, zuerſt einen Querſchnitt und von der Mitte desſelben einen Längenſchnitt nach unten. Beide Schnitte müſſen der Breite und Länge des Schildes angemeſſen ſein. Dann trennt man die beiden Lappen der Rinde mit dem Falzbein des Okulirmeſſers, ohne daß ſie faſern, und ſchiebt das Schild, an dem Blattſtiele haltend, den man daran läßt, von oben ſo ein, daß der Querſchnitt desſelben an den des Wildlings genau anpaßt; denn durch dieſen muß der Saftübergang Statt finden. Zuletzt verbindet man die Wunde mit Baſt ziemlich feſt, wobei aber das Edelauge unbedeckt bleibt. Dieſes Veredeln muß ſehr ſchnell ausgeführt werden, damit weder Schild noch Schnitt austrocknet. Bei großer Hitze, ſtarken Winden oder Regenwetter, welche keiner Veredlungsart günſtig ſind, darf das Okuliren nicht vorgenommen werden. Gut iſt es, wenn das Auge unterhalb eines ſchwä⸗ chern Triebes auf die Schattenſeite des Wildlings eingeſetzt wird. Zur größern Sicherheit ſetzt man an verſchiedenen Stellen Augen ein, von denen ſpäter aber nur ein Zweig ſtehen bleibt. Auch kann der Längenſchnitt am Wildling vom Querſchnitt abwärts geführt werden, wobei das Schild umgekehrt, die Spitze nach oben gerichtet, zugeſchnitten und von unten eingeſchoben wird. Zugleich werden die unter der Veredlungsſtelle befindlichen Zweige ganz weggenommen, dagegen die obern verkürzt, und zwar beim Okuliren auf's treibende Auge ſtärker, als beim ſchlafenden.
Hat man ſich vom Anwachſen des eingeſetzten Auges überzeugt, was an dem Abfallen des Blattſtieles zu erkennen iſt, ſo ſchneidet man den Verband auf der entgegengeſetzten Seite durch. Erſt im nächſten Frühjahre— beim treibenden Auge auch nach Johanni desſelben Jahres— wird der Wildling über der Ver⸗


