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Rinde und Holz macht man mit einem hölzernen Keil eine Oeffnung von der Größe des Keils am Edelreiſe. Sollte die Rinde nicht Elaſticität genug beſitzen und beim Trennen vom Holze reißen wollen, dann muß ſie der Länge nach auf⸗ geſchnitten werden, damit keine Faſern entſtehen. Hierauf wird das Edelreis in den Zwiſchenraum ſo eingeſchoben, daß der Querſchnitt auf der Kaatze aufſiitzt; zuletzt verwahre man die Wunde mit Baumwachs und verbinde ſie. Bei ältern Stämmen oder Aeſten ſetzt man 2— 4 Reiſer ein. Manche Baunzüchter löſen die Rinde nur auf einer Seite des Längenſchnittes und paſſen das Edelreis an die feſt gebliebene Seite an. Ihrer Natur nach kann dieſe Veredlungsart erſt vorgenommen werden, wenn der Saft bereits eingetreten iſt, weil ſich nur zu dieſer Zeit die Rinde vom Holze löſt, alſo im März und April. Auf dieſe Weiſe veredelt man auch ältere Bäume und verjüngt dieſelben dadurch gleichſam; indeſſen dürfen hierbei nicht alle Aeſte— um die Lebensfunktion nicht gänzlich zu ſtoͤren— auf einmal abgenommen werden, ſondern müſſen nach Verhältniß der Stärke des Baumes mehrere ſtehen bleiben, welche man dann im zweiten und dritten Jahre veredelt oder abnimmt. Der Verband der gepfropften Bäume wird nach Johanni aufgeſchnitten. c. Das Okuliren(Aeugeln).
Es gibt nach der Zeit dieſer Veredlungsart ein Okuliren auf's trei⸗ bende und ein Okuliren aufs ſchlafende Auge. Beides iſt an ſich nicht verſchieden. Das Okuliren auf's treibende Auge geſchieht im Frühjahr, wenn ſich die Rinde vom Holze löſen läßt; das Okuliren auf's ſchlafende Auge im Juli und Auguſt. Bei letzterem ſoll das eingeſetzte Auge im Veredlungsjahre nur anwachſen und im nächſten Jahre erſt austreiben. Man verbindet beim Oku⸗ liren nur ein Auge des Edelreiſes mit dem Wildling. Zu dieſem Zwecke macht man etwa einen halben Zoll über dem Auge einen Querſchnitt und von beiden Enden dieſes Schnittes Längenſchnitte ſchief nach unten, ſo daß ſie etwa einen halben Zoll unter dem Auge in einer Spitze zuſammenlaufen; hierauf trennt man das begrenzte Stück Rinde durch den ſogenannten Abſchieber, eine Art kleiner Hohlmeiſel, oder bei ſchwächern Reiſern mit einer paſſend zugeſchnittenen Feder⸗


