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ganzen Schnittlänge nach feſt zu verbinden,(wobei man das Edelreis beſtändig genau aufhält) und der Wildling aller Aeſte zu berauben.
Sollten Wildling und Edelreis nicht genau von gleicher Dicke ſein, ſo müſ⸗ ſen die Schnitte ſo gerichtet werden, daß ſie wenigſtens unten und auf einer Seite zuſammen paſſen, jedoch iſt immer das Hauptaugenmerk auf den Baſt zu richten.
Das Kopuliren hat vor allen übrigen Veredlungsarten viele Vorzüge. Die Wunde des Wildlings wird ganz von lebendem Holze bedeckt, daher bekommt der Baum nie eine Wulſt oder einen krankhaften Fleck am Veredlungsorte; es kann ſchon an ſehr jungen Bäumchen vorgenommen werden, und bei einiger Uebung geht es ſehr ſchnell von Statten. Uebrigens muß man bei der Lockerung des Verbandes, welche bald nach Johanni vorgenommen wird, behutſam ſein, damit das Edelreis nicht abbreche. Das Band legt man wieder locker an und läßt es bis zum Herbſte. Die durch Haſenfraß und andere gewaltſame Verletzung verdorbenen ältern Bäume kann man mittelſt des Kopulirens wieder heilen, indem man den verwundeten Theil des Stammes herausnimmt, den untern geſunden ſattelfoͤrmig, oder wenig⸗ ſtens mit einem Abſatze verſehen, abſchneidet, den obern genau aufpaßt und die Stelle gut verbindet; natürlich muß der Stamm an mehrere Pfähle feſt angebun⸗ den und die Krone bis auf einen gerade in die Hoͤhe gehenden Aſt abgenommen oder wenigſtens ſehr gelichtet werden.
b. Das Pfropfen(Pelzen).
Man unterſcheidet verſchiedene Pfropfarten. Das Pfropfen in den Spalt und das Pfropfen in die Rinde ſind die gewöhnlichſten. Zum Pfropfen in den Spalt wählt man Stämme von der Dicke eines Zolles, welche man ½— 1 Fuß über der Erde, und zwar am beſten vor dem Safteintritt veredelt. Man ſcheindet das Edelreis, das der Stärke des Stammes angemeſſen ſein muß, durch zwei Längenſchnitte auf gegenüberſtehenden Seiten am untern Ende in der Länge eines Zolles keilförmig zu, wobei aber die Rinde an der vordern Seite des Keils nicht verletzt werden darf,— verkürzt dasſelbe auf 3— 4 Augen und bedeckt den obern Abſchnitt mit Baumwachs. Der Wildling wird in der bezeichneten Höhe


