Aufsatz 
Leitfaden über die Erziehung und Behandlung der Obstbäume
Entstehung
Einzelbild herunterladen

8

len der Augen zu erkennen iſt(Anfang März), alle Seitenzweige bis zu dieſer Höhe mit einem ſcharfen Meſſer glatt ab, verkürzt die übrigen und hält den Boden durch mehrmaliges Aufhacken oder Graben von Unkraut rein; jedoch darf dieſes bei Näſſe oder großer Trockenheit nicht vorgenommen werden. Ein Veredeln vor Ablauf des zweiten Jahres iſt nicht anzurathen, da der verſetzte Baum im erſten Jahre auf Erſtarkung ſeines Wurzelvermögens faſt alle Kräfte verwendet. In der Edelſchule dürfen die Zwiſchenräume zur anderweitigen Benutzung gleich⸗ falls nicht verwendet werden.

3) Das Veredeln.

Das Veredeln iſt durch unſere früher bezeichnete Fortpflanzungsweiſe bedingt und beruht auf der Möglichkeit, daß die Ernährungsgefäße eines Zweiges oder Auges ſich an die des Wildlings anſchließen, von dieſen Nahrung aufnehmen und weiter führen können. Es beſteht daher in dem innigen Anſchließen ſolcher Gefäße an einander und iſt bei allen Pflanzen möglich, welche gleichartige Nahrungsſäfte auf gleiche Weiſe verarbeiten; zwiſchen den zu verbindenden Pflanzentheilen muß hiernach eine phyſiologiſche Verwandtſchaft Statt finden. Je leichter dieſe Verbin⸗ duug bei einer Veredlungsart möglich iſt und in je mehr Gefäßen dieſe bewirkt wird, deſto beſſer iſt die Veredlung. Soll der Zweck derſelben erreicht werden, dann muß man Zweige von wirklich edlern Obſtſorten auf eine minder edle Unter⸗ lage bringen und hierbei auch, wie ſchon oben bemerkt, auf eine Ueberein⸗ ſtimmung oder wenigſtens Annäherung der Art zwiſchen Edelreis und Unterlage Rückſicht nehmen.

Zuerſt ſind die Cdelreiſer ſorgfältig auszuwählen. Man nimmt dazu die einjährigen Leitzweige die aus den Augen des jährigen Triebes entſtandenen Zweige völlig geſunder Bäume von der ſonnenreichſten Seite, und, wo mög⸗ lich, von den oberſten Aeſten; keineswegs dürfen aber Wuchertriebe dazu genom⸗ men werden, indem durch dieſe Bäume erzielt würden, welche zwar zu ſtarkem Holztriebe geneigt wären, aber entweder keine oder doch nur wenige und ſchlechte Früchte erzeugten.