Aufsatz 
Leitfaden über die Erziehung und Behandlung der Obstbäume
Entstehung
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unerläßlich. Am zweckmäßigſten wird im erſten Jahre gedüngt und das Feld mit fleißig zu bearbeitenden Hackfrüchten beſtellt, worauf dann die erſte Arbeit zur ei⸗ gentlichen Bepflanzung, reſp. das Abtheilen in rechtwinkelige Felder nach den zu pflanzenden Sorten und das Abſtecken der Plätze beginnt*). Hierauf wird eine Anzahl Gruben, jede Grube 1 1 ¼ Fuß tief, gemacht, und nun erſt werden die Wildlinge ausgehoben. Bei dem Ausheben ſticht man auf beiden Seiten der Reihe, etwa ½ Fuß von den Pflanzen entfernt, mit einem ſcharfen Spaten die Wurzeln ab und nimmt durch einen ſchiefen Querſtrich mehrere Bäumchen auf einmal aus. Da die feinen Haarwurzeln für das Fortwachſen der Bäume von der größten Wichtigkeit ſind, ſo müſſen dieſe ganz beſonders geſchont werden. Die ausgegrabenen Pflanzen beſchneidet man an der Wurzel ſtark, ohne die Haarwur⸗ zeln zu verletzen, und ſetzt ſie ſogleich in die dazu bereiteten Gruben, wobei man jedoch darauf zu ſehen hat, daß ſie wieder ebenſo tief, wie früher, in die Erde kommen, daß die Wurzeln in der Pflanzgrube gleichmäßig ausgebreitet werden, und daß die Erde gehörig um die Wurzeln ſchließt; denn geſchähe Letzteres nicht, ſo würden leicht kleine Höhlungen bleiben, durch welche Fäulniß an den wunden Stellen derſelben entſtünde. Das Anſchlämmen(ein ſehr ſtarkes Begießen der eingeworfenen Erde) iſt im ſchweren Boden und bei Herbſtverſetzungen nicht nothwendig und auch bei Frühjahrspflanzungen nur dann anzurathen, wenn die Erde ſtark ausgetrocknet iſt, oder wenn rauhe Märzwinde baldige Austrocknung befürchten laſſen. Die Erde wird an die Wurzel etwas angetreten(beim An⸗ ſchlämmen nicht); die Zweige der verſetzten Bäume werden nach Verhältniß der Wurzeln ſtark beſchnitten, was aber, wenn die Verpflanzung im Herbſte Statt findet, bis zum nächſten Frühjahr unterbleibt.

Nach 2 3 Jahren werden die verpflanzten Bäume veredelt; bis dahin iſt bei dem Wildling nur darauf zu ſehen, daß ein glattes, kräftiges Stämmchen von ½ 1 Fuß Höhe der gewöhnlichen Veredlungshöhe entſtehe. Man ſchneidet daher in jedem Frühjahr vor Eintritt des Saftes, welcher am Anſchwel⸗

*) Die Bäume werden in 2 Fuß entfernte Reihen in der Richtung von Norden nach Süden 2 Fuß von einander gepflanzt, ſo daß jede Pflanze 4 Quadratfuß Raum erhält.