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Vor der Ausſaat wird die Samenſchule in ſo viele rechtwinkelige, verhält⸗ nißmäßig große Beete abgetheilt, als man Obſtſorten erzielen will, und jede Sorte durch ſchmale Wege begrenzt. Jedes Feld wird am beſten mit einem kleinen Stabe, der mit einem Oelfarbanſtrich verſehen iſt, und auf dem der Name der Baumſorte ſteht, bezeichnet.
Die Samenſchule hat man ferner durch mehrmaliges Aufhacken des Bodens, wobei aber die Reihen ſorgfältig geſchont werden, locker und von Unkraut rein zu er⸗ halten, in jedem Frühjahr die unterſten Seitenzweige der jungen Bäumchen abzu⸗ nehmen und die übrigen zu verkürzen, ſo daß man ein 1— 1 ½ Schuh hohes, glat⸗ tes Stämmchen bekommt. Eine anderweitige Benutzung der freien Raͤume zwiſchen den Reihen darf nicht Statt finden, weil dadurch die Bearbeitung beſchränkt, ſo⸗ wie den Sämlingen viele Nahrung entzogen wird.
Im dritten Jahre werden die Pflanzen in die Edelſchule verſetzt. Ueber die Zeit des Verſetzens ſind die Meinungen verſchieden; jedoch muß dies auf jeden Fall zur Zeit des Saftſtillſtandes Statt finden, alſo von Herbſt bis Frühjahr. Die im Herbſte verſetzten Bäume leiden im naſſen Boden, namentlich wenn ein ſtrenger Winter folgt, leicht durch Froſt, die im Frühjahr verſetzten werden dage⸗ gen im leichten Boden durch anhaltende Trockenheit in ihrem Wachsthum zurück⸗ geſetzt oder ſterben ganz ab. Da der naſſe Boden ſich aber überhaupt zur Baum⸗ ſchule nicht eignet, ſo möchte die Verſetzung im Herbſte den Vorzug verdienen.
Zum Behufe des Schutzes der Bäume gegen Wild und andere Thiere muß die ganze Baumſchule mit einer entſprechenden Umzäunung umgeben werden.
2) Das Verpflanzen.
Der Theil der Baumſchule, in welchen die Bäume zur Veredlung verpflanzt werden, heißt die Edelſchule. Das Jahr vor der Bepflanzung muß man ſie wenigſtens 2 Schuh tief umroden, was am beſten gräbenweiſe geſchieht, und wo⸗ bei darauf zu ſehen iſt, daß die obere Erde unten hinkommt. Sehr gut moͤchte es ſein, die Sohle der Gräben mit Raſen, im ſchweren Boden mit Laub, kleinen Reiſern ꝛc. zu bedecken, weil dadurch der Boden nicht nur locker erhalten, ſondern auch nahrungsreicher wird. Im armen Boden iſt eine ſolche Unterlage


