Aufsatz 
Einfluß der Insekten auf die Befruchtung der Pflanzen
Entstehung
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sind die Gerad- und Netzflügler, obgleich wir manche von ihnen auf Blumen finden. Die Ohr- schricke(Torficula auricularia) besucht Blüten, um die zarten Blütentheile abzufressen. Die Scorpionsfliege(Panorba communis) leckt Honig. Kleine Libellen lassen sich auf Blüten nieder, um sich zu sonnen; als Kreuzungsvermittler aber kommen sie wenig oder gar nicht in Be- tracht. Etwas mehr scheinen die Halbflügler zur Befruchtung beizutragen. Blumenwanzen findet man häufig auf Umbelliferen und Compositen, wo sie manche Blüte befruchten mögen. Aber immerhin sind sie als Befruchtungsvermittler von geringer Bedeutung.

Von den Käfern leben einzelne Arten von Blumennahrung und werden dadurch thätige Kreuzungsvermittler. Bei ihnen findet sich Anpassung an Gewinnung von Blumennahrung, z. B. bei Bockkäfern die gestreckte, nach vorn verschmälerte Form des Halsschildes, die Verlängerung des Kopfes nach vorn, die behaarten, zum Honiglecken dienenden Unterkiefer- laden. Fritz Müller beobachtete eine Nemognatha Südbrasiliens, deren Kieferladen ein Saug- rohr nach Art eines Schmetterlings bilden.

In weit höherem Grade sind die Insekten der übrigen Ordnungen als Befruchtungs- vermittler thätig, nämlich die Schmetterlinge, die Zweiflügler und ganz besonders die Aderflügler.

Vermittelst des Saugrüssels sind die Schmetterlinge befähigt, in die mannigfachsten Blüten einzudringen und deren Honig, ihre einzige Nahrung, zu geniessen. Auch gibt es unter den Schmetterlingen Arten, welche des Abends und des Nachts ihrer Nahrung nach- gehen und Blumen besuchen, besonders solche, welche helle, im Halbdunkel leicht wahrnehm- bare Farben haben und um diese Zeit ausströmenden Duft verbreiten. Verschiedene Blumen haben den Honig im Grunde langer und enger Röhren geborgen, so dass derselbe nur den mit langen, dünnen Rüsseln versehenen Schmetterlingen zugänglich ist; sie werden daher fast aus- schliesslich nur von solchen befruchtet. Falterblumen sind z. B. Dianthus, Saponaria, Lychnis, Lonicera u. s. w. Dagegen werden zahlreiche Blumen von Schmetterlingen ihres Honigs be- raubt, ohne von ihnen den Vortheil der Befruchtung zu empfangen.

Ziemlich auf derselben Stufe stehen die Zweiflügler oder Fliegen. Auch bei ihnen sind die Mundwerkzeuge zum Saugen eingerichtet, allein der Rüssel erlangt bei unsern einheimischen Dipteren nie die Länge des Schmetterlingrüssels; daher können sie nur zu ziemlich offenliegendem Honig gelangen. Einige Dipteren, wie die Aas-, Fleisch- und Kothfliegen, lieben Fäulnissstoffe und werden desshalb von Blüten mit purpurbrauner Farbe oder mit Aasgeruch besonders an- gelockt, bei welchen sie die Befruchtung vermitteln. Arum maeulatum, Orataegus Oæya- canthus, Sambucus nigra u. a. m. sind solehe Fliegenblumen. Andere Fliegen, wie Schnepfen- fliegen, Wollschweber, Schwebefliegen, Dickkopffliegen, saugen Blumensäfte und werden zu Befruchtern der verschiedensten Pflanzen, wie Orueiferen, Labiateen, Papilionaoeen, Compo- siten u. s. w.

Die grösste Bedeutung als Befruchtungsvermittler haben die Aderflügler oder Immen; denn ausser den Holzwespen, welche man nie auf Blüten sieht, gehen alle dem Ho nig nach. Die Blatt- und Gallwespen suchen Blumenhonig, können aber nur ganz offenliegenden erlangen; sie sind daher von geringer Bedeutung, da Blüten mit ganz offenliegendem Honig von den verschiedenartigsten Insekten besucht werden. Die Schlupfwespen dagegen sind in höherem Grade befähigt als Befruchter zu wirken, da sie durch das unermüdliche Umhersuchen nach Thieren, denen sie ihre Eier in den Körper legen, eine grössere Unterscheidungsfähigkeit und Ausdauer, als die vorhergenannten besitzen. Daher werden sie besonders zu Befruchtungsver-