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Kronblätter, das Schiffchen genannt werden. Die Staubgefässe sind zu einem Hohlkegel ver- wachsen, welcher den Stempel umschliesst. Die Basis der Staubgefässe einiger Arten sondert Honig ab, bei andern nicht. Bei den Honig führenden Papilionaceen ist der Staubgefässkegel in der Mitte seiner Oberseite gespalten, und diese Oeffnung durch einen von den andern ge- trennten Staubfaden gedeckt. Durch diese Oeffnung können Insekten, z. B. Bienen, zu dem Honig gelangen. Bei dem Blütenbesuche lässt sich die Biene auf den Flügeln der Blüte nieder, stemmt zuweilen den Kopf gegen die Fahne und drückt mit den Beinen die Flügel und zugleich das damit zusammenhängende Schiffchen nach unten. Hierdurch treten die Be- fruchtungsorgane etwas aus dem Schiffchen heraus, und die Biene kann mit ihrem Rüssel zu dem im Staubgefässkegel geborgenen Honig gelangen. Dabei aber werden die Antheren und der Stempel an die Brust der Biene gedrückt, dieselbe wird von unten bestäubt und bei wieder- holtem Blütenbesuche der anhängende Pollen auf die Narbe gebracht. Auch die nicht Honig führend en Papilionaceen werden der Augenfälligkeit ihrer Blüten wegen von Insekten besucht und befruchtet. 1
Auch die Orchideen haben unregelmässige Blumenkronen. Staubgefässe und Stempel derselben sind mit einander verwachsen. Der Inhalt der Antherenfächer bildet zusammen- hängende Pollenmassen, welche von kleinen, mit Klebscheiben verschenen Stielen getragen werden. Pollenklumpen und Stielchen zusammen heissen Polinien. Von den drei Stempeln bildet die Narbe des oberen das von Darwin benannte rostellum. Die Narben der beiden andern Stempel gehen meist so in einander über, dass sie wie eine einzige erscheinen. Honig ist bei manchen Orchideen im Sporn, bei manchen in einer Rinne der Unterlippe enthalten.
Besucht ein Insekt(Schlupfwespe, Schnepfenfliege) eine Orchisblüte und steckt den Kopf in den Sporn, oder leckt aufwärtsschreitend den IIonig der Rinne der Unterlippe, so be- rührt es unvermeidlich mit dem Kopfe die Klebscheibe der Polinien, welche sofort an dem Kopfe, meist den Augen desselben, haften bleiben. Durch Eintrocknen der Klebscheibe und die Schwere der Pollenmasse neigen sich die Polinien so nach vorn, dass sie bei weiterem Blütenbesuche des Insekts unfehlbar mit der feuchten, klebrigen Narbe in Berührung kommen. Die die einzelnen Pollenkörner zusammenhaltenden Fäden zerreissen, und ein Theil des Pollens b leibt auf der Narbe hängen. Mit dem übrigen Pollen können noch weitere Blüten befruchtet werden.
Aus den seither angeführten Beispielen haben wir erschen, dass durch die Insekten hauptsächlich Fremdbestäubung stattfindet. Allein wir finden auch mancherlei Blütenmechanis- mus, um beide Arten der Befruchtung durch Vermittlung der Insekten zu bewirken, z. B. bei Berberis. Die Blüte von Berberis vulgaris hat 6 Kronblätter, jedes mit einem Paar Honig- drüsen am Grunde versehen. Die 6 Staubgefässe stehen zur Zeit der Reife der Antheren dicht an die Blütenblätter über die Honigdrüsen zurückgelegt. Von Insekten, besonders Bienen und Hummeln, werden die Blüten stark besucht. Berührt ein Insekt mit dem Rüssel oder Fusse ein Staubgefäss, so fährt dasselbe durch seine ausscrordentliche Reizbarkeit in die Höhe dem Stempel zu. Weil aber ein Insekt meist mehr als ein Staubgefüss berührt und dadurch zum Aufschnellen bringt, so wird es über und über bestäubt und fliegt davon, um eine andere Blüte zu besuchen, welche durch dasselbe mit dem mitgebrachten Blütenstaub befruchtet wird. Zugleich aber findet auch Selbstbefruchtung statt, da von dem Pollen, der durch das Auf- schnellen der Staubgefässe ausgestreut wird, auf die Narbe derselben Blüte gelangt. Aehn- liche Reizbarkeit der Staubgefässe hat man bei den Compositen beobachtet. Der Stempel


