weiterung der Blumenröhre beginnt bei beiden Formen unmittelbar unter den Staubgefässen. Derselbe Stock bringt immer nur Blüten derselben Form hervor; beide Formen kommen im Naturzustande in ungefähr gleicher Anzahl vor. Bei Darwin's Befruchtungsversuchen er- wiesen sich bei Insektenabschluss beide Formen als fast absolut unfruchtbar. Im Freien werden sie namentlich von Hummeln ihres Honigs wegen besucht, und eine bestimmte Stelle des ein- dringenden Hummelrüssels berührt dann in den langgriffligen Blüten die Staubgefässe, in den kurzgriffligen die Narben und bringt den Pollen der ersteren auf die Narben der letzteren. Die Basis des Rüssels berührt in den kurzgriffligen Blüten die Staubgefässe, in den langgriffligen die Narben und befruchtet so die letzteren mit dem Pollen der ersteren. Durch Hülfe der Insekten werden also die langgriffligen Blüten durch den Pollen der kurzgriffligen, die kurz- griffligen durch den Pollen der langgriffligen befruchtet,(legitime Kreuzung). Daneben werden aber auch Blüten derselben Form mit einander gekreuzt,(illegitime Kreuzung). Durch zahlreiche Versuche hat Darwin festgestellt, dass Blüten durch legitime Kreuzung reichlich Samen an- setzen, während illegitim befruchtete fast vollständig fehlschlagen. Obgleich in der Natur il- legitime Kreuzungen der heterostylen Pflanzen oft bewirkt werden, so folgt doch aus einem be- sonderen Versuche Darwin's, dass sie gewiss meist wirkungslos bleiben. Bei Primula veris wurde nämlich die Wirkung des Pollens derselben Form, obgleich er 24 Stunden vorher auf die Narbe gebracht war, durch die Wirkung des Pollens der anderen Form völlig vernichtet.
Wie oben erwähnt, gibt es eine Reihe von Pflanzen, in welchen Selbstbestäubung er- schwert wird durch ungünstige Stellung der Antheren zur Narbenfläche. So ist bei vielen herabhängenden Blüten der Stempel länger als die Staubgefässe, so dass die nach unten ge- richtete Narbenfläche tiefer steht, als die Antheren, wodurch der herabfallende Pollen wohl nur selten auf die Narbe gelangen mag. Die Heidelbeere(Vaccinium Myrtillus) ist eine solche Pflanze. Der Stempel der Heidelbeerblüte ragt mit seiner Narbe ein wenig zur Oeffnung der Krone hervor; etwas weiter in der Krone stehen die 8 Staubgefässe rings um den Stempel, mit den Antheren dicht an denselben angelehnt. Dadurch werden die Staubbeutel, welche sich nach innen dem Stempel zu öffnen, durch denselben geschlossen, und der Pollea so lange unter Verschluss gehalten, bis ein nach Honig suchendes Insekt, eine Biene, mit dem ein- dringenden Rüssel die Antheren auseinanderschiebt, wodurch der Blütenstaub herabfällt und Rüssel und Kopf der Biene bestäubt. Beim Zurückziehen des Rüssels bringt sehr leicht die Biene von dem anhaftenden Pollen auf die klebrige Narbe; ebenso muss sie bei weiterem Blütenbesuche sicher die Narbe berühren und befruchten.— Bei einigen Cruciferen drehen sich die Staubgefässe kurz vorher, ehe sie zur Reife kommen, so, dass ihre zum Aufspringen bestimmte Seite der Narbe abgewandt ist. Um so sicherer aber werden solche Blüten von Insekten befruchtet, welche des Pollens oder Honigs wegen in die Blüte eindringen, sich be- stäuben und dann beim Besuche der nächsten Blüte von dem mitgebrachten Blütenstaube an der Narbe abstreifen, auch wohl beim Verlassen der Blüte von ihrem eigenen Pollen auf die Narbe dieser Blüte bringen.
Ausser diessen genannten Einrichtungen finden wir in den Blüten noch gar manche, die den Zweck haben, Befruchtung durch Insekten zu bewirken. Wahrscheinlich werden alle Pflanzen mit unregelmässigen Blütenkronen von Insekten befruchtet, 2. B. Papilionaceen, Or- chideen u. s. w. Bei den Papilionaceen oder Schmetterlingsblütlern besteht die Blütenkrone aus fünf verschieden grossen Blütenblättern, wovon das obere, meist grössere, Fahne, die beiden seitlichen, Flügel, und die zwei unteren, zu einem bootartigen Organe verwachsenen


