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(1733— 1806) beobachtet. Koelreuter war auch der erste, welcher Versuche über künstliche Befruchtung an zahlreichen Pflanzen, besonders Tabakpflanzen(Nicotiana rustica und panicu- lata) anstellte.
Wenden wir uns nun zu den Pflanzen, bei welchen verschiedene Blütenformen bei der- selben Art vorkommen. Sie werden heteromorphe oder heterostyle Pflanzen genannt. Sprengel beschreibt Hottonia palustris wie folgt-
„ 1) Saftdrüse ist der Fruchtboden selbst.
2) Der Safthalter ist der Grund der Kronenröhre.
3) Die Blumen stehen beinahe horizontal, daher weniger Regentropfen auf den Kronen- saum fallen, als wenn sie ganz aufrecht ständen. Die Kronenröhre ist oberwärts enger, als unterwärts. Auch die Staubgefässe und der Griffel tragen zur Abhaltung der Regentropfen etwas bei.
4) Der ausserhalb des Wassers befindliche Schaft macht mit dem im Wasser befind- lichen fast horizontalen Stengel einen rechten Winkel, hat also eine aufrechte Stellung. Damit er in dieser Stellung erhalten werde, so sind in dem Winkel 10 Blätter angebracht, welche grösser sind als die Blätter des Stengels. Dieselben liegen auf der Oberfläche des Wassers ausgebreitet und bilden einen grossen Kreis und erhalten folglich ebenso den Schaft in seiner aufrechten Stellung, als ein Schiff den Mastbaum. Damit die Blumen den Insekten von weitem in die Augen fallen, so ist der Schaft blätterlos, und sie selbst haben eine fast horizontale Stellung, in welcher sie durch die stipula erhalten werden. Der Kronensaum ist blassrosen- farben, in der Mitte weiss, damit das die Oeffnung der Kronenröhre umgebende gelbe Saftm al sich desto besser ausnehme.
5) Die Blume wird von Blumenkäfern besucht. Einige Pflanzen haben lauter solche Blumen, deren Staubgefässe innerhalb der Kronenröhre befind- lich sind, deren Griffel aber aus derselben hervorraget, und andere lauter solche Blumen, deren Griffel kürzer ist, deren Staubgefüsse aber länger sind als die Kronenröhre. Ich glaube nicht, dass dieses etwas zu- fälliges, sondern eine Einrichtung der Natur ist, obgleich ich nicht im Stande bin, die Absicht derselben anzuzeigen.“
Im Jahre 1841 wurde von Vaucher das Vorkommen verschiedener Blütenformen bei Lgthrum, und von J acquin bei Oæalis beobachtet. Doch erst Charles Darwin's Forscher- geist war es vorbehalten, die Bedeutung dieser Einrichtungen zu enträthseln. Durch zahlreiche Beobachtungen und angestellte Versuche an diesen Pflanzen kam er zur Ueberzeugung, dass es Einrichtungen zur Erreichung der Fremdbestäubung und Kreuzung durch Insekten sind. Seit diesen in den Jahren 1861 bis 1868 von Darwin angestellten Versuchen an den damals bekannten heterostylen Pflanzen, nämlich„Primula, Hottonia, Pulmonaria, Linum, Luithrum,“ hat sich die Aufmerksamkeit verschiedener Botaniker auf diesen Gegenstand gewandt, so dass sich jetzt die Zahl der beobachteten heterostylen Pflanzen auf 38 gesteigert hat, welche 14 ver-
schiedenen Familien angehören. In dem Werke:„Ueber die verschiedenen Blütenformen bei Pflanzen der nämlichen Art,“ hat Ch. Darwin alles über Heterostyle bis jetzt Festgestellte
geordnet zusammengestellt. Als Beispiel von Heterostylen diene Primula officinalis.
Primula oficinalis hat zwei Blütenformen, eine langgrifflige und eine kurzgrifflige Form. Bei der langgriffligen Form steht die Narbe am Eingange der Blumenröhre, der Staubgefäss- kreis ungefähr in der Mitte derselben; bei der kurazgriffligen Form ist es umgekehrt. Die Er-


