Aufsatz 
Einfluß der Insekten auf die Befruchtung der Pflanzen
Entstehung
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bei anderen Blumen ergaben, dass besonders gefärbte Flecken und Linien der Blumenkrone stets am Eingange zu den Honigbehältern sich befinden oder nach denselben hin zusammen- laufen. So war er überzeugt, dass, wie besondere Farbe auf der Blumenkrone dazu diene, dem auf der Blume befindlichen Insckte den Weg zum Honig zu zeigen, so auch die bunte Farbe der ganzen Blüte dazu diene, die in der Luft umherfliegenden Insektan anzulocken und sich ihnen schon von weitem bemerkbar zu machen.

Im Jahre 1789 führten Sprengel die Beobachtungen einiger Schwertlilienarten zu der Entdeckung, dass viele Blumen gar nicht anders, als durch Insekten, befruchtet werden können, und dass Farbe und Honig der Blütenkrone den Pflanzen nützliche Einrichtungen seien, da sie die Befruchtung derselben durch die angelockten Insekten veranlassen, indem dieselben durch ihren meistens haarigen Körper den Blütenstaub abstreifen und auf die Narbe bringen. Ebernso war Sprengel der erste, welcher 1790 bei Epilobium angustifolium beobachtete, dass die Staubgefässe und Stempel dieser Pflanze nicht gleichzeitig zur Reife gelangen, eine Ein- richtung, welche von ihm Dichogamie genannt wurde. Auch fand er durch angestellte Be- fruchtungsversuche mit der gelben Taglilie(Hemerocallis fuloa), dass sie für eigenen Blütenstaub unempfänglich und unfruchtbar ist. Diese und viele andere wichtige und interessante Beob- achtungen veröffentlichte er in seinem 1793 erschienenen Werke:Das entdeckte Geheimniss der Natur im Bau und in der Befruchtung der Blumen. Aber immerhin war man noch all- gemein der Ansicht, dass die Insekten den Pflanzen nur dadurch nützlich würden, dass sie die Selbstbestäubung beförderten, obgleiech Sprengel ausdrücklich in seiner Einleitung be- merkt:Die Natur scheint es nicht haben zu wollen, dass irgend eine Zwitterblüte durch ihren eigenen Pollen befruchtet werde. So war es erst späteren Forschern vorbehalten, den wahren Werth der Insekten für die Pflanzen, die Beförderung der Fremdbefruchtung(Kreuzung) nach- zuweisen. Besonders war es Charles Darwin, welcher in seinem Werke:Ueber Ent- stehung der Arten durch natürliche Auslese, den Werth der Fremdbefruchtung begründete. Seitdem haben andere Naturforscher wie Hermann Müller, Fritz Müller, Hildebrand, Delpino, Axell u. a. m. an zahlreichen Pflanzen die Befruchtung beobachtet, wodurch sich ergeben hat, dass bei den meisten Pflanzen Selbstbefruchtung weit seltener eintritt als Fremd- befruchtung, und dass mancherlei Vorrichtungen in den Blüten bestehen, welche die Selbstbe- fruchtung erschweren oder ganz unmöglich machen. Solche Vorrichtungen sind:

1) Ungleichzeitige Entwicklung der Staubgefässe und Stempel(Dichogamie).

2) Verschiedene Längenverhältnisse der Staubgefässe und Stempel derselben Species angehöriger Pflanzen(heterostyle Pflanzen).

3) Für Selbstbestäubung ungünstige Stellung der Antheren zur Narbenfläche.

4) Mehr oder minder Unempfänglichkeit gegen die Befruchtung durch den eigenen Pollen.

Bei den dichogamen Pflanzen kann der Fall sein, dass der Stempel vor den Antheren zur Reife gelangt, und umgekehrt, dass die Antheren reifen, bevor der Stempel zur Aufnahm e des Pollens entwickelt ist. Pflanzen der ersten Art nennt man proterogynische, die der zweiten Art proterandrische Pflanzen. Proterogynische Pflanzen gibt es nur wenige, z. B. Euphorbia Oxparissias, Aristolochiaceen, Araceen. Von letzteren wollen wir Arum maculatum etwas genauer betrachten. Eine grosse Blütenscheide umschliesst einen Kolben, welcher oben etwas verdickt, nackt und braun ist. An dessen unterem Ende sitzen eine Anzahl Narben, etwas höher die Antheren. Ueber den Antheren ist ein Kranz von nach unten gerichteter Härchen. Diesen