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Kardinal von San Piero in Vincola, der nachmalige Papſt Julius II., geſtanden habe, derſelbe, der auch auf dem Lateranconcil(1505) erklärte, daß Alexander's Wahl, weil durch Beſtechung herbeigeführt, un⸗ giltig ſei. Aber auch im Auslande durfte Savonarola auf Teilnahme für ſeinen großen Plan hoffen. Insbeſondere war man in Frankreich, wo die Beſtimmung des Konſtanzer Concils, daß der Papſt ver⸗ pflichtet ſei, alle 10 Jahre die Vertreter der geſamten Kirche zu berufen, noch Geltung hatte, den Be⸗ ſtrebungen des Mönchs nicht abgeneigt. König Karl VIII. von Frankreich hatte bei ſeinem Einmarſch in Italien ebenfalls die Idee eines Concils ausgeſprochen und dem Florentiner Savonarola wiederholt ver⸗ heißen, für die Berufung eines ſolchen zu wirken; aber er ließ ſich ſpäter durch den ſchlauen Papſt be⸗ wegen, davon abzuſehen und hielt infolge deſſen den Prior von St. Marco, der ihn wiederholt an ſein gegebenes Wort erinnerte, mit ſchönklingenden Worten hin.*)
Mit der Berufung eines Concils wollte er Ernſt machen, ſeitdem Borgia ihn als den„Sohn des Böſen“ bezeichnet hatte, zu deſſen Auslieferung die Signoria verpflichtet ſei, und alle Hebel in Be⸗ wegung ſetzte, ſeine(des Priors) Reformpläne zunichte zu machen. Um ſeinen Bemühungen Erfolg zuzu⸗ ſichern, richtete Savonarola Briefe voll edlen Freimutes und religiöſer Begeiſterung an die mächtigſten Fürſten des Abendlandes, an die Könige von England, Spanien, Frankreich und Ungarn, ſowie an den Kaiſer Maximilian. Nachdem er im Eingang ſeiner Schreiben den durch den Papſt verurſachten beklagens⸗ werten Zuſtand der Kirche geſchildert hat, dringt er auf ſchleunige Berufung eines Concils, auf dem er die Wahrheit ſeiner Anklagen beweiſen wolle.
Die Lage der Dinge war dem Plane des Priors nicht ungünſtig; denn in den meiſten der ge⸗ nannten Länder bereitete ſich ein ernſter Widerſpruch gegen den von Rom ausgehenden Druck vor. Die Zukunft begann bereits ihre Schatten zu werfen. Savonarola ſollte aber das Morgenrot einer beſſeren Zeit für die Kirche nicht ſchauen. Einer ſeiner Briefe fiel in die Hände des ihm feindlich geſinnten Herzogs von Mailand, der denſelben dem Papſte auslieferte. ²)
Aus den angeführten Ausſprüchen über Weſen und Zweck der Concilien ſehen wir, welche Er⸗ wartungen Savonarola von einer ſolchen Verſammlung der Vertreter der abendländiſchen Kirche hegt, aber zugleich auch, wie er, der die Unfehlbarkeit des Papſtes verwirft, an der Untrüglichkeit der Concilien, alſo der Kirche im großen Ganzen, feſthält. Der Bruch mit dem Papſte ſchloß keineswegs den Bruch mit der Kirche in ſich. Alles Heil erwartet er alſo von dem Concil und erinnert in ſeinen Beſtrebungen an die Concilperiode, nur daß er das religiöſe Moment noch ſchärfer hervorkehrt und namentlich das chriſt⸗ liche Leben als den Hebel zur Reform der Kirche betrachtet. Als die Hauptaufgabe der Verſammlung bezeichnet er die Abſetzung des Papſtes und aller unwürdigen Geiſtlichen. Dagegen verwahrt er ſich ent⸗ ſchieden gegen die Unterſtellung, als trachte er ſelbſt nach der Papſtwürde. Sein ganzes Leben ſpricht ihn auch von dieſem Vorwurfe frei.„Sein Ehrgeiz beſtand darin, die verderbte Kirche zu reinigen, zugleich aber auch in den Geiſtern den Glauben wieder zu beleben“. ³)
Wie ſtand Luther zu der Concilienfrage?
Seit Luther in der heiligen Schrift den feſten Halt für ſein inneres Leben gefunden hatte, mußte er, ſobald ihm die Unvereinbarkeit der Kirchenlehre mit der Regel und Richtſchnur ſeines Glaubens zum klaren Bewußtſein gekommen war, zu einer Trennung von der von ihm bis dahin hochgehaltenen römiſchen Kirche ſchreiten.
Aber ſo feſt und unerſchütterlich er auf dem Boden der Schrift ſtand, ſo hoffte er doch im Anfang ſeines Streites mit Tetzel, den Papſt von der Aufrichtigkeit ſeines Wollens, namentlich aber von der
¹) cf. die Briefe bei Villari. ²) Villari a. a. O. ³) Villari a. a. O.


