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Einrichtungen derſelben einverſtanden geweſen ſei, daß er eine Beſſerung ihrer Verfaſſung und des Lebens ihrer Glieder für unnötig gehalten habe.
Zunächſt griff er aber in das Räderwerk der Jahrhunderte alten und in ihrer Art großartigen Verfaſſung der Kirche nicht ein, oder vielmehr er wagte nicht ſie anzutaſten. Dagegen legte er an die Zu⸗ ſtände des Markuskloſters, deſſen allgemein geachteter Prior er war, ſeine heilende Hand, um von dem reformierten Kloſter aus auf den weiten Plan der Kirche zu treten.
Die Klöſter des heiligen Dominicus, zu denen auch das Markuskloſter in Florenz gehörte, waren von dem in der Kirche immer mehr um ſich greifenden Verderben nicht unberührt geblieben und von den Geboten des Stifters vielfach abgewichen. Savonarola begann eine durchgreifende Reform ſeines Kloſters und führte ſie auch mit Erfolg durch. Das Leben im Kloſter ſollte ſich zwiſchen ſtrengen Andachtsübungen und fleißiger Arbeit teilen, die eigentlichen Ordensbrüder ſollten ſich wiſſenſchaftlich beſchäftigen, namentlich aber die heilige Schrift eifrig leſen und nur ſie ihren Predigten zu grunde legen, dagegen die Behandlung aller ſpitzfindigen Fragen, ſowie das Ausſchmücken der geiſtlichen Rede mit klaſſiſchen Citaten, wodurch der Eindruck auch der beſten Predigt abgeſchwächt würde, vermeiden. Den Laienbrüdern wurde Ge⸗ legenheit gegeben ſich künſtleriſch auszubilden oder einem Handwerk ſich zu widmen oder durch Abſchreiben von Handſchriften die Werke der alten Schriftſteller zu vervielfältigen. Beſonderer Fleiß ſollte auf das Studium der hebräiſchen und griechiſchen Sprache verwandt werden,„damit die Mönche die Bibel in der Urſprache leſen könnten“. Daneben ſorgte er für Unterweiſung in noch anderen orientaliſchen Sprachen (namentlich im Arabiſchen), weil er ſich mit dem Gedanken trug, nach Durchführung ſeiner Reform in Florenz mit ſeinen Ordensbrüdern in das Morgenland zu ziehen, um die Mauren zu bekehren.*) Treu dem Gebote des Stifters, der den Mönchen ſeines Ordens die Armut zur oberſten Pflicht gemacht hatte, verbot Savonarola jedes Beſitztum und hielt unter den Ordensbrüdern ſtreng auf Einfachheit in der Kleidung und Lebensweiſe. Der Ruhm des Priors, der ſeinen Ordensbrüdern in jeder Tugend voranleuchtete, in jeder Entſagung es ihnen zuvorthat, erſcholl weit über die Grenzen Toskana's hinaus, und ſeine Perſön⸗ lichkeit, ſowie die von ihm eingeführte Reform wirkte nicht nur auf Nachbarklöſter, ſondern auch auf reiche Bürger von Florenz. Es kam vor, daß Söhne der angeſehenſten Familien um Aufnahme in den Orden baten, daß leichtfertige Menſchen, die vorher nur in den Genüſſen des Lebens geſchwelgt hatten, ihrem Wandel entſagten und ihre angeſehene geſellſchaftliche Stellung mit klöſterlicher Einſamkeit vertauſchten. Welchen Einfluß Savonarola's Predigten ausübten, beweiſt die Bekehrung eines beliebten Malers in Florenz, des dem Prior ſpäter ſo treu ergebenen Fra Benedetto, der unmittelbar vor ſeinem Meiſter auf dem Scheiterhaufen ſtarb. ²)
Dieſe Kloſterreform, die in manchen Stücken an die der Cluniacenſer erinnert, war nach Savo⸗ narola's Anſicht die notwendige Vorbedingung der von ihm beabſichtigten Kirchenreform, die er, ohne den Boden des römiſchen Dogmas zu verlaſſen, für durchführbar hielt. Man mag über Savonarola's An⸗ ſichten über das Kloſterweſen und die von ihm auf dieſem Gebiete vollzogene Erneuerung denken, wie man will; das wird kein Unbefangener in Abrede ſtellen wollen, daß die Reform die That eines von der hohen Aufgabe ſeines Berufes aufs tiefſte durchdrungenen Mannes war und für die damalige Zeit mannigfachen Segen ſtiften konnte, zumal ſie von den Einſeitigkeiten der Cluniacenſiſchen Reform in mancher Hinſicht ſich freizuhalten wußte.— Dagegen täuſchte er ſich ſchwer, wenn er etwa glaubte, das Italien des 15. Jahrhunderts, deſſen höhere Stände im Jagen nach Sinnengenuß, ſowie in ihrer moraliſchen Halt⸗ loſigkeit ihres gleichen ſuchten, weiter aber durch die Wiedererweckung der klaſſiſchen Studien und durch die Ergebniſſe der großen Entdeckungsreiſen eine weſentliche Erweiterung ihres geiſtigen Geſichtskreiſes er⸗ fahren hatten, in die abgeſtorbenen Formen des Mönchtums, das ja ſeine geſchichtliche Bedeutung gehabt
¹) Villari I. 120. ²) Villari I. 262.
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