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Wie unaͤhnlich ſind wir Neueren in dieſer Hinſicht jenen ehrwuͤrdigen Menſchen des Alterthums! Bei dem Tode eines vorzuͤglichen, vor tauſend andern hervorragenden, Mannes, eines unbeſtechlichen Patrioten, eines raſtlosthaͤtigen Buͤrger⸗ freundes, wo ſich am erſten die Gelegenheit boͤte, dem Ver— dienſte auf die unzweideutigſte Weiſe ſeine Kronen zu reichen und eben dadurch bei den Lebenden, zumal bei dem denkenden und fuͤhlenden Juͤnglinge, große, erhabene Gedanken zu wecken, was geſchieht denn im Grunde bei ſo vielen Voͤlkern der jetzi— gen Welt? Geſtehen wir es nur, ſo beſchaͤmend auch dieß Ge— ſtaͤndniß iſt, daß wir in den meiſten ſolcher Faͤlle eigentlich nichts thun. Ohne oͤffentliche Theilnahme, ohne die mindeſte Auszeichnung, faſt eben ſo gleichguͤltig und kalt, wie den, der in ſchimpflicher Thatenloſigkeit ſeine Tage hingebruͤtet hat, laſ— ſen wir nur allzuoft ſelbſt den Verdienſtvollſten zu ſeinen Vaͤ— tern ſammeln. Kaum, daß noch der Freund oder eine treue Familienhand den Vergißmeinnichtkranz um ſeinen Aſchenkrug haͤngt!
Wie unendlich verſchieden, wie wuͤrdig eines großen Vol— kes, waren in dieſem Punkte die Grundſaͤtze der Roͤmer! So wie bei dieſer Nation in ihren fruͤheren Zeiten faſt Alles darauf angelegt zu ſeyn ſchien, den Buͤrger fuͤr das Gute immer aufs Neue zu beleben und beſonders in dem Herzen des Juͤnglings die edelſten Vorſaͤtze und Entſchließungen aufzuregen, ſo ließ man auch bei dem Tode vaterlaͤndiſcher Maͤnner, die gemein— nuͤtzig und ruhmwuͤrdig ihre Tage verlebt hatten, die Gele⸗ genheit zu aͤhnlichen Zwecken nicht unbenutzt. Starben in Rom


