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zu wollen*). Aber ſo wuͤnſchenswerth die Befolgung ſeines wohlwollenden Rathes war, ſo muß man doch geſtehen, daß ſie gerade zu ſeiner Zeit kaum erwartet werden konnte: ſo tief, ſo unglaublich tief, waren ſeine Zeitgenoſſen geſunken. Joniſche und gaditaniſche Taͤnzerinnen oder gar blutige Gladiatorgefech— te gaben bei den Vergnuͤgungen der Tafel dieſen grauſamen und uͤppigen Menſchen mehr Unterhaltung als ernſte Erinne⸗ rungen an tugendhafte Vorfahren. Die weichen und ſittenlo— ſen Tafelgeſaͤnge, die ſetzt in allen roͤmiſchen Triklinien er— ſchollen, toͤnten ihnen ſuͤßer in die Ohren, als ein maͤnnlicher, zum Preiſe verdienſtvoller Ahnen erhobener, Rundgeſang. Nein! Nimmermehr war bei dieſen und noch weniger bei den ſpaͤteren Roͤmern an die Wiedereinfuͤhrung jener geprieſenen Skolien zu denken! Jedes Wort, von dieſen ausgearteten En— keln zur Ehre ruhmwuͤrdiger Vaͤter angeſtimmt, haͤtte gegen ſie gezeugt und ihnen, wenn ſie ſich noch haͤtten ſchaͤmen koͤnnen, die Wangen blutroth gefaͤrbt.
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Hier kann ich unmoͤglich die oͤffentliche Auszeich⸗ nung, beſonders die beruͤhmten Parentationen(lau- dationes, conciones funebres) uͤbergehen, womit die Roͤmer von den aͤlteſten Zeiten her ihre verdienſtvollen Maͤnner bei ih— ren Leichenbegaͤngniſſen zu beehren pflegten. Auch dieſe koͤnnen ihren Zweck durchaus nicht verfehlt; auch ſie muͤſſen in G.ſin⸗ nungen und Handlungen außerordentlich eingewirkt haben.
*) Od. IV, 15.


