Aufsatz 
Einige der vorzüglichsten Ursachen des altrömischen Tugendsinnes : Viertes Stück
Entstehung
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Die roͤmiſchen Vaͤter, die gerade dieſe Gattung von Sko lien den geſangliebenden Griechen ablernten*) oder aus eig nen Erziehungsgrundſaͤtzen darauf verfielen, waren in der That mit dem jugendlichen Herzen nicht unbekannt und haben viel leicht durch ihre Tafelgeſaͤnge von der vorhin beſchriebenen Art bei ihren Soͤhnen mehr Gutes bewirkt, als wenn ſie ihnen durch ihre Paͤdagogen taͤglich hundert Gnomen haͤtten vorpredigen laſſen. Der Juͤngling, der gleich den damaligen roͤmiſchen Juͤnglingen von den fruͤheſten Jahren an fuͤr das Große und Herrliche gewonnen wird, deſſen Bruſt von heiligem Ehrgefuͤhle und gluͤhender Vaterlandsliebe durchdrungen iſt, wie feuerroth mahlt ſich ſein Antlitz, wenn er in die goldnen Tage ruhmvoller Ahnen verſetzt wird! Wie fuͤhlt er ſich zur Nachahmung ent flammt, wenn ihm die Verdienſte großer Vorfahren, ihr Hel denſinn, ihr Feuereifer fuͤr Freiheit und Vaterland, kurz, alles Glorreiche, womit ſie ihr Leben verherrlicht haben, vor Augen ſteht! Wie wird er ſich eben deßwegen nach Stunden und Ge legenheit ſehnen, der Vaͤter werth, den Vaͤtern aͤhnlich zu werden!**S Wer kann ſich denn wundern, wenn er aus dem

**) Die Tiſchlieder der Griechen(¶ναMrQ́+£ĩ-z hatten nicht bloß, wie Mancher leicht denken könnte, Wein und Liebe und dergleichen zum Gegenſtande; oft auch waren ſie ernſthaften Inhaltes; auch Freundſchaft, Vaterlands liebe und große Männer der Vorzeit wurden darin geprieſen. S. Ilgens Unterſuchung de Scoliorum poesi. p. CLXXXI.

**) Wenn doch Väter und Mütter, aus welchen Ständen ſie ſeyn mögen denn Seelenadel iſt in jedem Stande zu finden ihre Kinder mehr, als es gewöhnlich geſchieht, mit ihren tugendhaften, ausgezeichneten

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