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Sitte, bei feierlichen Gaſtmalen die Tugenden und ruhmwuͤr— digen Thaten ausgezeichneter Ahnen zur Floͤte zu ſingen. Von Juͤnglingen umringt, begann der aͤlteſte oder angeſehenſte un— ter den Gaͤſten den Preisgeſang und nach einander ſetzten ihn die übrigen Anweſenden fort. Maͤnner, die das unterdruͤckte und mißhandelte Vaterland gerettet, die fuͤr die Freiheit deſ⸗ ſelben ihr Leben verblutet, die dem gebeugten Rechte, der be⸗ drohten Unſchuld zur Seite geſtanden, die durch weiſe Vor— ſchlaͤge, durch wohlthaͤtige Anſtalten das Gemeinwohl befoͤr— dert, ſolche vaterlaͤndiſche, menſchenfreundliche und gemein— nuͤtzige Maͤnner wurden in dieſen roͤmiſchen Tiſchliedern beſun⸗ gen und in ihrer vormaligen Verdienſtlichkeit geprieſen und bewundert.
Herrlicher und nachahmungswuͤrdiger laͤßt ſich in der That kaum etwas denken! Ehrwuͤrdig muͤſſen uns die Maͤnner ſeyn, die dieſe Sitte bei ihrem Volke eingefuͤhrt hatten; ehrwuͤrdig das Volk, das dieſe Sitte von ihnen annahm! Das Andenken edler Vorfahren oft zu erneuern, ſie im Geleite ihrer Tugen⸗ den gleichſam unter die Lebenden zuruͤckzurufen, im traulichen Kreiſe der Verwandten und Freunde ihres thatenreichen Lebens, ihres Gemeingeiſtes, ihrer Vaterlandsliebe, ehrenvoll zu ge⸗ denken, wie liebenswuͤrdig iſt dieß Alles an und fuͤr ſich ſchon! Es zeugt nicht nur von innigem Wohlgefallen an echter Men⸗ ſchengroͤße und Vorzuͤglichkeit, ſondern auch von eignem erha⸗ benen Bewußtſeyn, das bei dem Gedanken an die Tugenden der Vaͤter nicht beſchaͤmt und beunruhigt wird; es verraͤth den edelſten Nationalſtolz, der Buͤrger und Buͤrger naͤher an einan⸗


