Aufsatz 
Uhland als lyrischer und epischer Dichter / von Georg Zimmermann
Entstehung
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läßt. In ähnlicher Weiſe erzählt der Dichter eine ſonderbare Märe von dem proven⸗ caliſchen Sänger Rudello. Dieſer entzückt alle Welt durch ſeine ſehnſuchtsvollen Liebes klagen; aber Niemand hat ihren Gegenſtand geſehen, und ihm ſelber iſt er nur in nächtlichen Träumen erſchienen. Da vernimmt er, daß die Gräfin von Tripolis aller Frauen Krone ſei. Er beſteigt ſofort ein Schiff, um ſie aufzuſuchen; er weiß es: dieſe und keine Andere hat ihm der nächtliche Schlummer gezeigt. Unterwegs verſchleu dert ihn ein Sturm. Die Beſchwerde der Reiſe, die wachſende Sehnſucht des Herzens machen ihn krank. Er ſieht immer vertrauensvoll nach Oſten, wo ihm die Sonne des Lebens aufgehen wird. Auf die Nachricht von ſeiner Landung, von der Krankheit ſeines Herzens begibt ſich die Gräfin an das Ufer. Wie er es betreten hat, will ſie ihm die Hand reichen; da ſinkt er zurück und ſtirbt. Sie lieſt in ſeinen Liedern, bis auch ſie von unnennbarer Schnſucht ergriffen iſt. Sie geht in ein Kloſter, um dort den Frieden ihrer armen Seele zu ſuchen. Auch hier löst ſich die fremdartige Hülle des Phantaſti⸗ ſchen und beinahe Lächerlichen von ſelbſt ab; jeder kritiſche Zweifel verſinkt in dem ſüßen Wehegefühle, das uns mit der Treue einer räthſelhaften unglücklichen Liebe empfinden läßt. In dieſen Kreis von Gedichten gehört auch dasTraurige Turnei, das wir zu den ſeltenſten Perlen unſerer Balladenpoeſie rechnen. Sieben Ritter ziehen aus, um zu Ehren der Königstochter Adelheid ein Turnier zu halten. Sie treten mit düſteren Ahnungen in die Halle und finden das liebliche Mädchen bleich und todt. Da beſteht Adelbert darauf, daß ſie wenigſtens um den Roſenkranz und den Ring der Todten kämpfen ſollten. Adelbert erſchlägt im Kampfe alle ſeine Gegner; aber auch er hat die Todeswunde empfangen, bleichen Angeſichtes ſteigt er von ſeinem Roſſe herab, nimmt den Kranz und den Ring und fällt todt zur Erde. Der König begleitet die ſieben Ritter zum Grabe; Adelbert ruht mit ſeiner Geliebten unter Einem Steine. Das Gefühl der treuen Liebe bis zum Tod und über den Tod hinaus ſpricht hier in ahnungsvollen Tönen, in abgeriſſener, geiſterhafter Weiſe der Erzählung, mit der reizenden Dunkelheit der ſchottiſchen Balladen ſo ergreifend zu unſern Herzen, daß wir die ſeltſamen Voraus ſetzungen, auf denen der Eindruck des Ganzen beruht, darüber vergeſſen. Wenn wir aber den Unterſchied zwiſchen Uhland und den Romantikern uns recht lebendig veran ſchaulichen wollen, ſo müſſen wir namentlich ſeiner Beſtimmtheit und weiſen Beſchrän⸗ kung in der Darſtellung der Lebenswikklichkeit gedenken. Er wählt nicht leicht einen Stoff, den er nicht beherrſchen kann; er zehrt ſich nicht in gewaltigen Planen auf, ſondern hat bei dem Entwurfe ſeiner Gedichte ſogleich die Ausführbarkeit derſelben vor Augen. Wo ein günſtiger Stoff, eine glückliche Idee bei ihm nicht ganz zur lebendigen Kunſtform durchdringt, da liegt die Quelle wohl meiſtens nicht in dem Misverhältniſſe zwiſchen der Meditation und der ausführenden Phantaſie, ſondern in der äußeren Schwierigkeit der Versmaße und überhaupt in der Ungewandtheit der Sprache. Was ihn vor den Romantikern auszeichnet, iſt die Sicherheit und Feſtigkeit, womit er das Leben betrachtet und nachgeſtaltet, ſind die ſchlichten und beſcheidenen Farben, womit er auch im höheren Schwunge der Begeiſterung die Wirklichkeit abbildet. Freilich ſteht er, wenn man das der Romantik weſentliche Hervortreten der geiſtigen Unendlichkeit ins Auge faßt, mit ſeinem beſchränkteren Ideenkreiſe im Schatten. Aber dafür beruhen ſeine Ideen beinahe überall auf der dichteriſchen Anſchauung und ſind nur ausnahmsweiſe, wie ſo häufig bei den Romantikern, Produkte der Reflexion. Oefter laſſen ſich dieſelben bei ihm kaum in Worten nachſprechen, ſondern ziehen ſich nur wie eine leiſe Muſik der Seele durch die Gebilde ſeiner Phantaſie und durch die herzlichen Töne ſeines Geſanges. Neben Uhland arbeitete ſich eine Anzahl von Dichtern, die gleich ihm von der Romantik ausgingen, über dieſelbe hinaus, oder ſie wurden vielmehr von den gewaltigen Schwingen des Zeitgeiſtes über die Schule der thatlos träumenden Phantaſie emporge⸗ hoben. Der Geiſt nämlich, der die heilige Flamme der Befreiungskriege anfachte, fuhr

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