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müthes. Auch er verweilt ſo gerne bei den ſchönen und kräftigen Geſtalten des Mittel⸗ alters und friſcht ſie in ſeinen Bildern zu neuen, glänzenden Farben auf; auch er ſchlingt ein zartes Band der Liebe und Begeiſterung zwiſchen uns und unſerer Vorzeit, die er uns durch ſeine Darſtellung heimiſch und vertraulich macht. Auch ſein Herz hat ſich die Natur zur vertrauteſten Freundin der dichteriſchen Einſamkeit gewählt. Auch er ſucht, von heiligen Schauern der Erinnerung angeweht, im Geiſte der alten Sage und Geſchichte ſinnig fortlebend, die ſüßeſten und die mächtigſten Tonweiſen vergangener Tage auf ſeiner Harfe wiederzuerwecken. Auch ihm iſt die Poeſie ein holdſeliger Traum, der die rauhe Wirklichkeit durchwebt und einen goldenen Märchenglanz über das dürftige und beſchränkte Daſein des Menſchen ausſtrahlt.*)
Was ihn aber weſentlich von den Romantikern unterſcheidet, iſt die Wahrheit ſeiner Gefühle, die Feſtigkeit ſeiner Ueberzeugungen, der ſittliche Aether, in dem ſich ſeine Phan⸗ taſie bewegt, und die Gediegenheit ſeiner Lebensgeſtaltungen. An ſeiner Liebe zur alten Zeit hat die eitele Oppoſition gegen den proſaiſchen Geiſt der Gegenwart keinen Antheil; dieſe Liebe iſt herzlich und einfach, mit ſeinen Jugenderinnerungen und ſeinem ſchwäbi— ſchen Lande verwoben, zu dem er immer wieder zurückkehrt, ſo oft auch ſein kühner Flug ſich über das ganze deutſche Vaterland verbreitet hat. Sein liebevolles Verweilen bei der Vergangenheit hat aber namentlich nicht den Zug des Krankhaft-Reactionären, den wir der romantiſchen Schule aufgeprägt ſehen; was der alten Zeit angehörte, will er nicht auf Koſten des lebendigen, gegenwärtigen Geiſtes wieder herſtellen; er will uns mit dem Unſrigen, mit dem, was wir ſind und haben, ſo weit es ihm in ſich berechtigt erſcheint, nicht entzweien; er will es fortgebildet ſehen; ſein Auge blickt vorwärts in die Zukunft. Seine verklärende Phantaſie hält aus dem Geiſt und Leben des Mittelalters nur die Momente feſt, die auch jetzt noch in allen für das Hohe und Edele begeiſterten Menſchen leben und ewig in ihnen fortleben werden. In der durchſichtigſten Hülle zeigt er uns den rein⸗menſchlichen Kern der fremdartigſten und ſonderbarſten Sagen; dem Phantaſti⸗ ſchen und Grillenhaftigen weiß er eine Form zu geben, die unſer Herz ergreift, ohne unſeren Verſtand zu beleidigen, und alle ſchönen Rührungen des Mitgefühls in uns er— weckt. In dem Roſengarten z. B.(Seite 293 ff.) führt er das an ſich wunderliche Thema aus, daß ein Held, der bis in das Greiſenalter die Liebe nicht kennen lernte, in dem Momente, wo ihm die Sonne derſelben in der Geſtalt eines eben erſt erblühenden Mädchens aufgeht, ſein Leben beſchließt und mit dem Kranze, um den er mit den Waffen nicht mehr kämpfen konnte, von den Händen der Geliebten geſchmückt wird. Es weht uns aus dieſem Gedichte bei aller Mangelhaftigkeit ſeiner Form eine ſanfte Rührung an, die jeden Zweifel an dem Ernſte und der Lebenswirklichkeit der Erzählung zurücktreten
*) Uhland's poetiſcher Idealismus ſpricht ſich aus in den Verſen„In ein Stammbuch“ S. 154:„Die Zeit, in ihrem Fluge, ſtreift nicht blos des Feldes Blumen und des Waldes Schmuck, den Glanz der Jugend und die friſche Kraft: Ihr ſchlimmſter Raub trifft die Gedankenwelt. Was ſchön und edel, reich und göttlich war, und jeder Arbeit, jeden Opfers werth: das zeigt ſich uns ſo farblos, hohl und klein, ſo nichtig, daß wir ſelbſt vernichtet ſind. Und dennoch wohl uns, wenn die Aſche treu den Funken hegt, wenn das getäuſchte Herz nicht müde wird, von Neuem zu erglühn! Das Echte doch iſt eben dieſe Glut, das Bild iſt höher, als ſein Gegenſtand, der Schein mehr Weſen, als die Wirklichkeit. Wer nur die Wahrheit ſieht, hat ausgelebt; das Leben gleicht der Bühne, dort wie hier muß, wann die Täuſchung weicht, der Vorhang fallen.“ Vgl.„Schickſal“ S. 156:„Ja, Schickſal! ich verſtehe dich: mein Glück iſt nicht von dieſer Welt, es blüht im Traum der Dichtung nur. Du ſendeſt mir der Schmerzen viel und gibſt für jedes Leid ein Lied.“„Der Mohn“ S. 74 ff.:„In meiner Tage Morgen, da lag auch ich einmal, von Blumen ganz verborgen, in einem ſchönen Thal. Sie dufteten ſo milde! Da ward, ich fühlt' es kaum, das Leben mir zum Bilde, das Wirkliche zum Traum. Seitdem iſt mir beſtändig, als wär' es ſo nur recht, mein Bild der Welt lebendig, mein Traum nur wahr und echt; die Schatten, die ich ſehe, ſie ſind, wie Sterne, klar. O Mohn der Dichtung! wehe um's Hanpt mir immerdar!“


