Aufsatz 
Uhland als lyrischer und epischer Dichter / von Georg Zimmermann
Entstehung
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auch als ein zündender Blitz in die Seelen der Dichter und ſchmelzte das Gepräge ihrer Lieder um. Die Todesweihe dieſer Jahre war auch eine höhere Weihe unſerer Poeſie. In einem kraft⸗ und ſchwungvollen Heldengeſange erzählt uns Uhland, wie einſt die von den Etruskern bedrängten Latiner dem Mars einen Weihefrühling gelobten und dadurch den Sieg erlangten, wie der Prieſter den Heimgekehrten gebot, die jungen Heerden und die Saatfrüchte des Jahres, vor allem aberdie Jungfrauen in der Jugend erſtem Kranz und dieJünglinge im erſten Waffentanz dem Gotte zu opfern, wie aber dieſer verkündigte, er wolle nicht den Tod, ſondern die Kraft, aus Lavinium ſolle ihm eine neue Pflanzung hervorgehen, eine große Zukunft werde ihm aus dieſem Frühling er wachſen. Der Weihefrühling jener glorreichen Jahre, aus dem ein neues, höheres Leben für uns entſpringen ſollte, verlangte die Kraft, aber auch den Tod, den freudigen Opfer⸗ tod; ohne dieſen war an die Verjüngung des Vaterlandes nicht zu denken. Der heilige Frühling ſproßte in tauſend glühenden Roſen des Opferblutes, die den Boden unſeres Vaterlandes bedeckten, und über dieſem Felde ſchwang ſich der Phönix unſerer Ehre und Freiheit empor. Dieß war die Zeit, in der die Schwärmerei der Romantik einen feſten ſittlichen Inhalt empfing, in der dem Spiel der Phantaſie ein heiliger Ernſt eingehaucht und der vaterländiſche Sinn aus dem Bereiche poetiſcher Träumerei auf die Bühne des handelnden Lebens hinübergeführt wurde. Die Sänger, die ſich dem neuen Geiſte nicht verſchloſſen, wurden, obgleich ſie von dem phantaſtiſchen Geſchmacke der herrſchenden Schule ſich nicht ganz befreien konnten, doch in ihrem innerſten Weſen Dichter der Ge ſinnung: die Religion, die Sittlichkeit, die Vaterlandsliebe waren die Muſen, die ſie zu ihren Liedern begeiſterten.

Obgleich Uhland durch die Befreiungskriege ſeine höhere Dichterweihe empfing, und obgleich von der ſchönen Schwärmerei jener Tage ſich ein Nachhall durch ſeine ſpäteren Dichtungen hindurchzieht, ſo unterſcheidet er ſich doch von einem Körner, Schenkendorf, Arndt u. ſ. w. durch eine kühlere Stimmung, aus der ſeine Freiheitslieder und Vater landsgeſänge in jener Zeit hervorgehen.

Als der Aufruf zur Befreiung durch das Vaterland ertönte, erſchienen ihm ſeine friedlichen Geſänge als ein nichtiges Spiel, und es drängte ihn die Neigung und die Pflicht, mit ſeiner Dichtkunſt dem heiligen Kriege zu dienen. Wenn auch manchmal der lebhafte Wunſch in ihm erwachte, wieder im goldenen Reiche der Märchen aufathmen zu dürfen, ſo fiel ihm doch ſogleich ein ſtrenger Geiſt der Lieder in die Saiten und erinnerte ihn daran, daß die Freiheit ſeine Fee und das Recht ſein Ritter ſei.

Durch den Kampf für die Freiheit und das Vaterland fühlte ſich Uhland auch als Dichter neugeboren, und gleich dem Sturm und der Woge ließ er fortan ſein Lied erbrauſen; aber ſeine milde Natur konnte doch die Hoffnung nicht unterdrücken, daß der Friede bald die ſanfteren Töne ſeiner Harfe anſtimmen werde.(S. 95, 104, 183 ff.)

Indem ihn die ganze Größe jener ernſten, wundervollen Zeit mächtig durchſchauerte, prophezeite er, daß auf dieſen Sturm ein Reich der Liebe folgen, und daß die ſchönſten Ahnungen und Wünſche ſich dann erfüllen würden.(S. 96; zweifelnder fragt er S. 106:wird der Väter Kampf und Wunde in den Kindern fruchtbar ſein?) Aber er fand ſich bitter enttäuſcht. Er klagte ſchon am 18. October 1815, daß mit der Ver⸗ jagung des auswärtigen Feindes noch nicht jede Spur des früheren Dranges ausgelöſcht ſei, daß noch manches Recht unter wüſten Trümmern begraben liege, und daß nichts gedeihen könne, weil die Liebe, das Vertrauen und die Eintracht zwiſchen Volk und Herrn fehle(S. 111 ff.). Ein Jahr darauf erhob er in einem ſchwungvollen Geſange die Stimme eines ſtrafenden Propheten: er züchtigte die ſchlaffe Welt, die kein rechtes Gefühl für die Bedeutung der Leipziger Schlacht mehr habe; er mahnte die Fürſten an die Löſung des gegebenen Wortes und forderte die Völker auf, ihr Recht feſtzuſtellen; er fand noch überall untröſtliche Zuſtände, obgleich ihm aus manchem Auge, manchem