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neu angelegt, der eine entsprechende Ueberschrift zu geben ist.1) Dabei kann man allerdings die Thätigkeit der Schüler mit in Anspruch nehmen. Sobald es sich aber um das Niederschreiben der Phrase selbst handelt, muss der Lehrer einige Minuten opfern und dem Schüler die betref- fenden Worte präcis redigirt in die Feder dictiren. Es kommt dabei auf die Beschaffenheit der Phrase an, ob man sie gibt, wie sie der Satz bietet, oder ob sie in die infinitivische Form umge- staltet wird, oder ob einzelne Theile, auf welche es hauptsächlich ankommt, geradezu aus einem gröszeren Ganzen ausgewählt werden. Völlig nutzlos ist es, wie auch Thoms(pag. 10) richtig bemerkt, die Schüler anzuweisen, das Notiren zu Hause vorzunehmen. Denn die Schüler der mittleren Classen sind nicht so zuverlässig, dass man durch häuslichen Fleiss allein selbst auf ganz genau gegebene Instructionen hin ein sauber und accurat ausgearbeitetes Collectaneum er- warten dürfte. Und sogar in den oberen Classen, wo solche Sammlungen schon mehr auf der Initiative der Schüler als auf der directen Beihülfe der Lehrer beruhen, kann dem betreffenden Fachlehrer eine von Zeit zu Zeit vorzunehmende Revision der Sammelhefte nicht erspart bleiben.
Dass aber die Sammlungen spätestens in Tertia systematisch angelegt werden müssen, er- scheint mir als eine um so gröszere Nothwendigkeit, als für die schon von Secundanern vieler Gymnasien verlangten lateinischen Aufsatzübungen ein gewisses Masz phraseologischer Kenntnisse nicht entbehrt werden kann. Dahingegen dürfte die Frage, ob man auch Quartaner schon zum Sammeln nöthigen soll, m. E. nur nach der Qualität der Schüler der betreffenden Classe in be- jahendem oder verneinendem Sinne zu beantworten sein. Indessen wird keinenfalls der Lehrer auch in dieser Classe sich der Mühe entziehen dürfen, das phraseologische Material, soweit es bei Nepos in stilistischer Beziehung einen reproductiven Werth hat, besonders bei Gelegenheit der Retroversionen, also durch ein vorwiegend mündliches Verfahren, den Schülern nutzbar zu machen und einzuprägen. Ganz unbewusst lässt sich nach meiner Ueberzeugung sogar schon den Schülern der untersten Stufe, freilich unter strenger Wahrung des Grundsatzes: est modus in rebus die Differenz des deutschen und lateinischen Idioms beibringen, wenn anders dem oben von mir im Anschluss an Nägelsbach und Rothfuchs vertheidigten Grundsatze, das reinste Latein von Anfang an überhaupt zu lehren, die Anerkennung nicht versagt wird.
Wenn nun auch hinsichtlich dieser letzteren Erörterungen eine vollständige Congruenz der Ansichten der Schulmänner nicht zu verlangen ist, wenn, genauer gesagt, bei der Frage, in welcher Classe und mit welcher Lectüre das Zusammenstellen einer Phraseologie den Schülern zur Pflicht zu machen sei, verschiedene Ueberzeugungen ihre Berechtigung haben, so kann doch, wenn däberhaupt gesammelt wird, von zwei Haupterfordernissen kein Abstand genommen werden. Das
¹) Ein anderes Verfahren erfordern die Sammelhefte auf dem Gebiete der Synonymik. Auf dem hiesigen Gym- nasium geben wir den Untersecundanern Anweisung, sich ein dauerhaftes Octavheft anzulegen, das sie nöthigenfalls bis zur Beendigung des Gymnasialcursus benutzen können. Die einzelnen Blätter sind alphabetisch bezeichnet und zwar so, dass die Buchstaben am Rande sich übersichtlich abheben und auf die verlangte Seite leicht hinweisen. Die aus der Lectüre oder den Uebersetzungsbüchern sich ergebenden synonymen Ausdrücke werden gleich in der Stunde eingetragen.
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