Aufsatz 
Bemerkungen zur Methodik des lateinischen Unterrichts / von Zilch
Entstehung
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übrigt nur noch darzulegen, wie phraseologische Uebungen zu betreiben sein dürften, welches Masz von Thätigkeit dabei dem Lehrer, welches dem Schüler zukomme. Die Sache liegt hier wesentlich anders als beim Vocabellernen. Während in den unteren Classen den Schülern ge- druckte Vocabularien in die Hand gegeben werden müssen, damit sie auf dieselben gestützt in die Lectüre eindringen und das Material der Uebungsbücher bewältigen, soll man m. E. die Phrasensammlungen neben und aus der Lectüre heraus durch den Sammeleifer der Schüler selbst entstehen lassen. Wenn ich auch das Princip einer selbständigen Behandlung der Phraseologie. ohne Lectüre nicht für so schlimm ansehen möchte, dass es, wie Schrader(p. 350) meint, vom Uebel sei, so gebe ich gerne zu, dass mindestens nicht sehr viel dabei herauskommt, dass es ver- gebliche Arbeit ist. Ein systematisches Einlernen solcher Phrasensammlungen, die den Schülern der mittleren Classen fertig dargeboten werden, wird ihnen leicht Ueberdruss bereiten; übersicht- lich und alphabetisch geordnet werden sie zum Nachschlagen dienen können, wie denn überhaupt ihr Werth für eigentliche Philologen, auch wohl für Primaner nicht unterschätzt werden soll, namentlich für den Fall, dass sie mit Schreibpapier durchschossen dem Gebrauche übergeben werden und die Möglichkeit bieten, dass man sie durch eigene Nachträge ergänzen kann. 4)

Die entgegengesetzte Frage ist die, ob man das Sammeln und Gruppiren dem Privatfleiss der Schüler allein überlassen soll. Die strebsamen und lernbegierigen unter ihnen werden wohl gewiss die Aufforderung des Lehrers benutzen, wenn er ihnen Seneca's Worte an's Herz legt: apes imitari debemus et quaecungque diversa lectione congessimus separare, sie werden Col- lectanea anlegen und sie in gutem Zustande zu erhalten suchen; ob sie aber wirklich im Stande sind, praktisch und richtig dabei zu verfahren, wenn sie selbst gruppiren und anordnen sollen, möchte ich bezweifeln. Gegeben soll den Schülern etwas werden, aber weniger die gesammelten fertigen Phrasen, als die allgemeinen Gesichtspunkte, unter denen sie einzutragen sind. Dass sie nicht als eine rudis indigestaque moles erscheinen dürfen, sondern sachlich gruppirt werden müssen, darüber braucht man kaum ein Wort zu verlieren. Die Classification kann sehr mannigfaltig sein und liegt ganz in dem Ermessen des Lehrers unter Berücksichtigung verständiger Vorschläge, die auch begabtere Schüler zu machen im Stande sind.

Sind den Schülern allgemeine Gesichtspunkte gegeben, die sie paragraphen- oder capitelweise ordnen dürfen und für die sie zunächst je eine Seite eines besonderen Heftes bereit zu halten haben, so werden die lernenswerthen Phrasen, welche die Lectüre bietet, nach ihrem Inhalte ge- prüft und entweder unter einer der im Schema bereits vorgesehenen Stellen eingetragen, oder es wird nach Bedürfniss, wenn die Redensart sich nicht unterbringen lässt, eine Rubrik und Seite

¹) Fertige Phraseologien gibt es verschiedene. Als die älteste dürfte wohl diephraseologia latina von Schmidt anzusehen sein; sodann sind zu nennen:Das Wichtigste aus der Phraseologie bei Nepos und Cäsar etc. von Dr. Wichert; Berlin, Weidmann'sche Buchh. 1872;lateinische Phraseologie von Dr. Probst, Köln 1864, Verlag der Du Mont-Schauberg'schen Buchhandl., gauz kürzlich ist auch eine Phraseologie von Berger erschienen, desgl. eine von Meissner, Leipzig 1878, Teubner'sche Verlagshandlung; sie sind sämmtlich mit vieler Umsicht und groszem Fleisz zusammengestellt. 5