— II—
eine möchte ich ein objectives nennen, insofern es darin bestehen soll, dass von Seiten der Schüler die peinlichste Sauberkeit, Genauigkeit und Ordnung in den Sammelheften beobachtet werden und die Rubricirung sorgfältig nach den im Schema gegebenen Vorschriften vor sich gehen muss. Die andere Forderung kann als eine subjective bezeichnet werden; denn sie spricht aus, dass die Schüler, wenn sie ihr Material geordnet haben, ihre Thätigkeit nicht als abgeschlossen ansehen, auch nicht denken sollen, dass das, was während und durch das Niederschreiben im Gedächtniss hängen geblieben ist, den phraseologischen Zwecken entspreche. Des Schülers unerlässliche Auf- gabe und Pflicht ist es, das von Tag zu Tag Notirte auch regelmäszig zu memoriren und hiermit dem Grundsatze: carpe diem auch in dieser Beziehung zu genügen.
Der Lehrer aber darf sich nicht allein darauf beschränken, das erlernte Material abzuhõören, er muss es auch schriftlich verwerthen lassen. Sehr schwer dürfte es freilich sein, Extempo- ralien ad hoc zusammenzustellen und innerhalb der Sätze syntaktische Regeln mit erlernten Phrasen geschickt zu vereinigen. Jedenfalls aber lässt sich die Einrichtung treffen, dass man allwöchentlich unter die regelmäszig abzuliefernden Exercitien aus dem phraseologischen Memorir- stoff eine Anzahl Beispiele etwa in der Weise niederschreiben lässt, wie es nicht ohne guten Er- folg bei den griechischen Exercitien mit einzelnen griechischen Formen geschieht.
Schlieszlich sei es mir vergönnt, meine Ueberzeugung noch einmal dahin auszusprechen, dass, wenn solchen phraseologischen Uebungen der gebührende Platz im Unterrichte nicht vor- enthalten wird, die Erreichung des zweifachen Zieles, welches der Gymnasialunterricht im Latei- nischen verfolgt, die Schüler zu einem klaren Verständniss der Autoren zu führen und sie fähig zu machen, ein genügendes Stilproduct ohne viel Mühe und Zeit zu Stande zu bringen, jeden- falls sehr gefördert werden wird.


