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gemacht werden, wodurch die Benutzung der Spezialwörterbücher auf ein Minimum reduzirt wird. Mancher erinnert sich wohl noch der Qual, die ihm eine Nepos-Präparation bereitet hat zu einer Zeit, wo man auf Vocabularien keinen Werth legte. Man hatte oft das Gefühl, einen Satz bewältigen zu können, die Construction wurde regelrecht vorgenommen, wenn nur nicht so viele Wörter unbekannt gewesen wären. Man kam allerdings schlieszlich dem Satze bei oder„kriegte ihn heraus“, wie es im Munde der Schüler heiszt, aber auf dem weitläufigen Umweg durch das Lexikon. Welche Zeitverschwendung, welche Anstrengung und Arbeit! Das mechanische Auf- schlagen des Wörterbuchs von einem unbekannten Worte zum andern schädigt natürlich die frische Empfänglichkeit, die der Schüler für den betreffenden Satz oder das ganze Capitel haben muss. Beiläufige Belehrungen, die sich ein Schüler durch Festhalten der Grundbedeutung eines Wortes verschaffen könnte, sind bei der jugendlichen Oberflächlichkeit, wie sie nun einmal ist, nicht zu erwarten. Nur für den vorliegenden Satz wird mechanisch im Lexikon gesucht, um dann die ersehnte, endlich gefundene Bedeutung des Wortes im Präparationsheft zu notiren. Was ist die Folge von all dem? Nicht nur Zeitverlust, sondern beim Schüler selbst auch Unlust und Lange- weile, ¹) da das mühsam Gefundene in seinen Augen in keinem entsprechenden Verhältniss zu den überstandenen Mühseligkeiten steht. Klebt diese anstrengende, lästige Präparationsweise auch den Schülern der oberen Classen noch an, so kann von einem Durchdringen des betreffenden Schriftstellers dem Geiste nach, von einem Genieszen desselben keine Rede sein und von einer Sehnsucht, von einem Greifen nach demselben nach Ablauf der Gymnasialjahre erst recht nicht. Auch kann dabei die eigene lateinische Darstellung, die doch erstrebt werden soll, nicht nur keine Verbesserung erfahren, sondern es werden die stilistischen Leistungen von Germanismen wimmeln.
Solche und ähnliche Erwägungen sind die Ursache gewesen, dass die Schulbehörden und Schulmänner die Aneignung lexikalischer Kemmtnisse nicht mehr vom Zufall und dem jedesmaligen Bedürfnisse abhängig sein, sondern eine systematisch durchgeführte lexikalische Vorbildung den Schülern der unteren Classen namentlich angedeihen lassen wollten, um so mehr als auf dieser Alters- und Bildungsstufe die Gedächtnisskraft am frischesten ist und auf Knaben dieses Alters der Grundsatz: tantum scimus, quantum memoria tenemus seine berechtigtste Anwendung findet.
Nicht unerwähnt möchte ich auch die Zweckmäszigkeit des Grundsatzes lassen, der in guten Vocabularien zur Geltung gebracht ist, dass die Grundbedeutung des Wortes primo loco ²) ge- wahrt wird. Haudelt es sich in den Schriftstellern um Nebenbedeutungen, so kann der Lehrer leicht nachhelfen oder der Schüler kann sie aus dem Zusammenhang leicht selbst finden. Die
¹) Schimmelpfeng bezeichnet J. l. p. 7 mit vollem Rechte die Langeweile als den schlimmsten Feind, als den Tod der Jugend.
²) Beseitigt ist hiermit der Grund zu der Klage, welche Rehdantz in s. Abhandl.:„Themata zu schriftlichen Privatarbeiten für die oberen Classen eines Gymnasiums“ Programm des Gymn. zu Halberstadt 1856, p. 2 ausspricht: „Jetzt ist es in den oberen Classen einer der schlimmsten Uebelstände, dass bei dem Schüler meist nur eine abge- leitete, die an derjenigen Stelle, wo das Wort ihm zuerst begegnete gerade zutreffende Bedeutung, ohne Anschauung der Wurzelbedeutung, hängen blieb.“ 1


