Aufsatz 
Über den Wert des lateinischen Unterrichtes in der Realschule
Entstehung
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baums besitzen wir einen einzigen Gedanken, welcher alle aus unsern Erfahrungen geschöpften Einzelvorstellungen und noch viel mehr enthält; alle Apfelbäume, die sich in den fünf Erd- theilen vorfinden und ausserdem alle, die jemals verdorrten, und die noch wachsen werden, sind in diesem Begriff vereinigt. Wir gehen in unserer Erkenntniss allmählig weiter; wir kommen zu dem Begriff des Baumes, der alle Bäume, und zu dem der Pflanze, welcher alle Pflanzen enthält. Haben wir die Data der Erfahrung, welche den Inhalt der Begriffe auf diesem Gebiete bilden, sorgfältig kennen gelernt, und haben wir alle Begriffsreihen, die sich unter den weiten Allgemeinbegriff der Pflanze subsumiren, vom Einzelnen zu immer höherer Allgemeinheit aufsteigend, architektonisch gliedern gelernt, dann haben wir eben Botanik studirt. Menschlich denken heisst also: durch Begriffe denken; wissen- schaftlich denken heisst: den Inhalt der Begriffe ausmessen und dieselben nach ihrem grösseren oder geringeren Umfang in die richtige Beziehung zu einander bringen; die Wissenschaft bereichern heisst: aus der Erfahrung, aus der anschaulichen Welt, welche durch die Sinne in uns eingeht, etwas bis dahin Unbekanntes oder Verkanntes in die Be- griffswelt hinübertragen.

Wenn das Wort eines Philosophen nun richtig ist, dass alles Menschliche nur insofern menschlich sei, als es durchs Denken bewirkt werde; oder wenn, um mich schlichter auszu- drücken, der Mensch ein denkendes Wesen ist, so wird ihm die Wissenschaft nichts An- erzogenes oder Aufgedrungenes, sondern sie wird ihm so natürlich sein, wie dem Fisch das Schwimmen. Dies ist in der That der Fall; darum sterben die wahren Vertreter der Wissenschaft nicht, darum reden sie eine Sprache, die allen Zeitaltern und allen Völkern verständlich ist. Wenn wir oben meinten, dass es keine Fachschulen im gewöhnlichen Sinn, die etwas Werthvolles leisten, geben könne, so dürfen wir an dieser Stelle sagen, dass alle guten wissenschaftlichen Anstalten Fachschulen und zwar die besten Fachschulen sind. Denn die Wissenschaft ist nicht um ihrer selbst willen oder etwa dazu da, dass man Exa- mina abhalten könne; ihr Ziel ist nicht der einjährige Freiwillige; ihr Ziel ist dasselbe, welches den Bestrebungen und Thaten des Weltmenschen vorleuchtet: die Wirklichkeit zu durch- dringen, sich ihrer zu bemächtigen, sie zu beherrschen. So lehrt Bacon, der geistige Vater der idealen Realschule. Die Methode des wissenschaftlichen Denkens ist auch die Methode des praktischen Denkens; wenn ein genialer Feldherr die Situation begreift und danach operirt, so thut er dasselbe, was der fein spekulirende Kaufmann thut, derdie Conjunktur wahrnehmend, im Stande ist, die Data, welche die anschauliche objektive Welt ihm liefert, mit Geistesgegenwart unter den entsprechenden Allgemeinbegriff zu bringen, d. h. zu ver- stehen.Denken und thun sagt in ähnlichem Sinne Göthedas ist die Summe aller Weisheit....... Beides muss wie Aus- und Einathmen sich im Leben ewig fort hin und wieder bewegen; wer sich zum Gesetz macht, was einem jeden Neugeborenen der