Aufsatz 
Quaestiones de Euripides Hercule furente / scripsit Iulius Zastra
Entstehung
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und empfing die Glückwünſche der Amtsbrüder. In ähnlicher Weiſe erfolgte am 26. April die Einführung des Religionslehrers Warnatſch. 3

Der Religlonslehrer Kühn hat dem Director über ſeine bisherigen Lebensverhältniſſe Nach⸗ ſtehendes mitgetheilt...

Ich Joſeph Kühn bin in Grüſſau, Kreis Landeshut, den 27. November 1817 geboren und an ſelbigem Orte auch erzogen worden. Meinen erſten Unterricht erhielt ich in der dortigen Ele⸗ mentarſchule und außerdem gab ſich ein warmer Freund der Jugend, der jetzige Kreisvicar in Neu⸗ markt, Herr Heyne, mit meiner Ausbildung in den verſchiedenen Elementargegenſtänden viel Mühe. Durch ſeine liebevolle Vermittelung gelang es mir auch, von meinem ſeligen Vater nach langem Wiberſtreben endlich die Einwilligung zu erhalten, ein Gymnaſium beſuchen zu dürfen. In einem Alter von faſt 15 Jahren kam ich demnach auf das evangeliſche Gymnaſium zu Schweidnitz, wo ich wegen gänzlicher Unkenntniß der lateiniſchen Sprache nur in die letzte Klaſſe aufgenommen werden konnte. Bei meinem vorgerückten reifern Alter und bei der damals üblichen, halbjährigen Verſetzung wurde es mir jedoch möglich, innerhalb drei Jahren bis nach Prima aufzuſteigen. Bei Erwähnung deſſen kann ich nicht umhin, meinen damaligen Herrn Lehrern den jetzt noch tiefge⸗ fühlteſten Dank für ihre Liebe und Pflege abzuſtatten, denn ſie waren es, welche mir trotz der Armuth des Gymnaſiums, trotz der confeſſionellen Verſchiedenheit, jedwede Unterſtützung zuwandten. Mit ganz beſonderem Vergnügen erinnere ich mich der väterlichen Sorgfalt und Aufopferungsliebe des Herrn Director Held und des Herrn Conrector Brückner, welche ſich eine Freude daraus mach⸗ ten, fähige Schüler ohne Hoffnung auf irgend einen irdiſchen Gewinn, privatim tiefer in das Gebiet des klaſſiſchen Alterthums einzuführen. Leider konnte ich dieſe liebgewonnene Bildungsanſtalt nicht ganz bis zum Ende meiner Gymnaſiallaufbahn beſuchen, denn nach dem erſten Jahre in Prima nöthigten mich Privatverhältniſſe, das dortige Gymnaſium mit dem katholiſchen in Breslau zu ver⸗ tauſchen. Hier erlangte ich, nach der geſetzmäßig in Prima überhaupt zugebrachten Zeit von 2 Jah⸗ ren, im Ganzen nach einem fünfjährigen Gymnaſial⸗Curſus, Oſtern 1838 das Zeugniß der Reife und bezog mit der Abſicht, Theologie und Philologie zu ſtudiren, die. Univerſität. Allein die dürf⸗ tigen Vermögensumſtände meiner guten Eltern veranlaßten mich kurz darauf, die Univerſität wie⸗ der zu verlaſſen, um mir vorerſt durch anderweitige Beſtrebungen ſoviel zu erwerben, als zur un⸗ geſtörten Fortſetzung ernſter Studien nothwendig erſchien. Die Vorſehung führte mich in Folge deſſen nach Polen, wo ich nach Ablegung eines Examens in Warſchau eine Lehrerſtelle in Zgierz annahm und nebenbei die polniſche Sprache erlernte. Die einträgliche Stelle und nebenbei der alltägliche Privatunterricht ſetzten mich bereits nach Jahresfriſt in den Stand, getroſt wieder heim⸗ kehren zu können, um die akademiſche Laufbahn fortzuſetzen, oder eigentlich erſt recht zu beginnen. Anfänglich ſchien die Liebe zu den philologiſchen Studien über die zur Theologie obſiegen zu wollen, am Ende aber entſchied ich mich dennoch mit ganzer Seele für die Theologie und das um ſo mehr, je mehr ich die Ueberzeugung erlangt hatte, daß auch ein Theologe kein Feind der klaſſiſchen Vorzeit ſein dürfe. Einen großen Theil meiner Begeiſterung für die nunmehrigen, eigentlichen

Berufsſtudien der Gottesgelehrtheit verdanke ich einem, für Religion und Wiſſenſchaft glühenden

Univerſitätsfreunde, deſſen, beſonders in Breslau wohlbekannten Namen ich aber verſchweige. Nach der geſetz- und pflichtmäßigen Vorbereitung auf der Univerſität und im Alumnate empfing ich end⸗ lich durch Gottes Barmherzigkeit die heilige Prieſterweihe und wurde bald darauf von der Hoch⸗

würdigſten Behörde in das polniſche Oberſchleſien geſandt. Das erſte Jahr verwaltete ich die inter⸗ .: