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Wechselwirkung die Zeitverhältnisse die Gestalt und die Schöpfungen des Dahingeschiedenen lebendig erhielten und wiederum selbst durch die Dichtung bestimmt wurden. Spätere Ge schlechter haben unsere klassische Dichtung angeklagt, als habe sie ihrer Zeit den Rücken gewandt und sich in ästhetisierender Ruheseligkeit zur toten Antike geflüchtet. Kein Vor- wurf trifft weniger zu als dieser, bei dem man doch eine Nebenerscheinung für die Haupt- sache ansah. Weit entfernt, sich seiner Zeit zu entfremden, kann vielmehr Schiller in seiner geistigen Entwicklung als ihr vollendetster Typus gelten: vom weltbürgerlich schwär- menden Standpunkt des„Don Carlos“ schritt er seiner Nation voran auf dem Wege zur Volks- und Staatsgesinnung. Der junge Wilhelm von Humboldt hatte 1792 in seinen „Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit eines Staates zu bestimmen“, die res publica als nicht viel anderes angesehen denn als die nützliche Einrichtung, die es jedem einzelnen möglich machen sollte, seiner eigenen Persönlichkeit zu leben, und mit diesem idealen Anarchismus hatte er nur laut ausgesprochen, was die mehr oder minder klar be- wusste Ansicht der gebildeten Deutschen war; nun erwuchs ein neues Geschlecht, das von seinem Dichter lernte, es gebe so etwas wie Ehre und Schande eines ganzen Volkes, an denen der Einzelne teil habe, es stehe nicht das Individuum der Menschheit gegenüber, sondern sei zunächst Teil eines Ganzen, innerhalb dessen und für das es erst gedeihlich wirken könne. Das sind ja nun Gedanken, die uns schier selbstverständlich geworden sind, und damit haben denn auch Dunois' zornige Worte, Attinghausens Ermahnung an seinen Neffen etwas Abgegriffenes bekommen: die Kosten allzuvieler patriotischer Festreden haben sie be- stritten. Aber was heute im Weisheitsschatze keines Sekundaners fehlt, war einst schier unerhört; das staatlose Geschlecht des achtzehnten Jahrhunderts hatte es als Schande für guter Leute Kind betrachtet, die Büchse zu tragen. Nicht Steins und Scharnhorsts Gesetze, nicht Boyens Heeresreform haben das von Grund aus geändert; gesetzliche Be- stimmungen hätten niemals so in Fleisch und Blut übergehen können, wären die Geister für sie nicht bereitet gewesen. Unter den Erziehern des deutschen Volkes zur Staats- gesinnung ist aber einer der ersten und wirkungsreichsten Friedrich Schiller gewesen.
Wie es einst, in lange versunkenen Zeiten, das gute Recht des schwäbischen Stammes war, des Reiches Sturmfahne dem Heere voranzutragen, so erfüllte in den Jahren der Not und Befreiung der Geist des grössten Sohnes des Schwabenlandes die Generation, die den Befreiungskrieg schlug. Von je hat man auf Theodor Körner hingewiesen als den echten Vertreter der hochgesinnten Jugend, der, im Bannkreis des Schillerschen Geistes aufgewachsen, in seinem Dichten von dem grossen Vorbilde bis in Einzelheiten abhängig, sich aus erfolgreicher Laufbahn, von jungem Liebesglück losriss, weil ihm Pflicht war, was sein Vater in seinem Alter kaum dem Namen nach gekannt hätte. Man könnte meinen, Schillers Einfluss sei mehr zufällig herbeigeführt durch die besonderen Verhältnisse, unter denen er aufwuchs. Dem ist nicht so; einige Zeugnisse für die Stellung der Jugend dieser Zeit zu Schiller mögen hier stehen.
Als frischer Mulus machte Friedrich Förster 2) eine fröhliche Jugendfahrt durch Sachsen, die ihn auch zur Körnerschen Familie führte. Man empfängt ihn freundlich, nach- mittags sitzt man zusammen in Loschwitz, und zufällig hört der Gast, dass am selben Tische
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