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mochte mit desto grösserem Eifer das Zusammenspiel gepflegt werden— das rühmen die Historiker der Schauspielkunst und auch schon die Zeitgenossen ⁵⁷) vor allem von Weimar— und damit den Manen des Dichters der grössere Gefallen geschehen. Jedenfalls liess man es auf der Bühne nicht an reichlicher Pflege des Schillerschen Dramas fehlen: auch nicht an den kleineren und mittleren Theatern. Man darf sich da durch zeitgenössische Klagen nicht irre machen lassen: die Weherufe über den Verfall der Bühne, die so alt sind wie das Theater selbst, erschallten damals natürlich auch. So liess sich ein eifriger Mitarbeiter der Leipziger„Eleganten Zeitung ⁵)(Beauregard Pandin) gar heftig vernehmen über diesen Zufluchtsort der Schlaffheit und Frivolität, über die Geschmacklosigkeit des Publikums und die Entwöhnung der Schauspieler von höheren Aufgaben, über den mangelnden Fleiss bei der Aufführung bedeutender Stücke, die man bloss der Ehre halber gebe; aber solche und ähnliche Klagen stammen gewöhnlich von einem mehr oder weniger verstiegenen Idealismus her, der die realen Verhältnisse der Bühnenkunst nicht sehen oder doch nicht anerkennen
will. Natürlich waren die Bühnenherrscher Kotzebue und Iffland— die übrigens ein wohl- meinender Kuͤpferstecher, der Berliner Clas, mit Goethe und Schiller zusammen auf einer Platte vereinigte und für zwölf Groschen allen Verehrern verkaufte ⁵⁹⁵)— wie hätte es auch
anders sein können! Wo sollte denn der Vorrat von Werken hoher Kunst herkommen, selbst wenn man sie Abend für Abend hätte geben und sehen wollen? Das Durchscehnitts- stück für das Durchschnittspublikum war damals— auch für Goethe in Weimar— genau so unentbehrlich wie heute. Wenn man das berücksichtigt, wird man sich mehr an die Tatsachen als an die Klagen halten: und da gewinnt man ein anderes Bild. Aus den Korrespondenzen der Journale geht hervor, dass Schiller im ganzen häufig genug aufgeführt wurde, weit häufiger jedenfalls als Shakspere und Goethe. In Regensburg ⁶⁰) rühmte man sich, binnen Jahr und Tag acht Schillersche Dramen gesehen zu haben, wobei dann freilich Turandot, Macbeth und Phädra sehr unbefangen mitgerechnet wurden; bei Gastspielen ⁰¹) fingen seine Gestalten schon an, die Kosten zum grossen Teil zu bestreiten, Esslair trat auf als Karl Moor und Dunois, seine Frau als Isabella und Johanna d'Arc. Vor allem sieht man nun Schillers Tragödien neues Gebiet erobern: in Münster ⁶²) wurde 1809„Kabale und Liebe“ mit einigen Abänderungen und Weglassungen, die„ein Kenner der dramatischen Kunst zu Gunsten des feineren Geschmacks und des theatralischen Effekts“ für nötig be- funden hatte, anscheinend zum erstenmale aufgeführt; auch anderswo wurden Bedenken, die bisher die Aufführung verhindert hatten, siegreich überwunden: verhältnismässig spät in München, wo erst nach 1810 die„Jungfrau von Orléans“ und die„Räuber“ zum erstenmal aufgeführt wurden ³), früher, zum Teil wenigstens, in Wien ⁴). Da klagte noch 1808 ein Korrespondent, dass von Schiller, der für ein gutes Repertoire doch in erster Linie in Frage komme, die„Räuber“,„Kabale und Liebe“,„Don Carlos“,„Maria Stuart“,„Jungfrau“, „Tell“ aus Zensurrücksichten nicht gegeben werden könnten(„Wallenstein“ anscheinend auch nicht, er wurde in einer„Bearbeitung“ am ersten April 1814 zum erstenmal aufgeführt). Die„Braut von Messina“, die übrigens auch erst am 23. Januar 1810 in Wien erschien, habe keine Aussicht auf populären Erfolg, es bleibe also eigentlich nur„Fiesko“ übrig. Das stimmte ja nun nicht ganz: die„Jungfrau von Orléans“ gehörte seit dem 27. Januar


