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Verse durch Einschaltungen, vollkommen zu vernichten, was noch dazu weniger wegen der Nachlässigkeit der Schauspieler als aus grundsätzlichem Misstrauen gegen das rhythmische Drama geschehen sein soll. 49) Ebenso sollen dem grossen Schröder, dem Hauptvertreter des Strebens nach Naturwahrheit auf dem Theater, Schillers Schöpfungen mit ihrem ge- waltigen Pathos noch bis zuletzt zuwider geblieben sein. 50) Und wenn nun wirklich der prinzipielle Widerstand überwunden war, dann blieb immer noch die Trägheit der Schau- spieler übrig: die„Braut von Messina“ bereitete dem grossen Esslair ⁵¹) arges Leid, auch anerkannten Künstlern war es nicht möglich, eine rhythmisch geschriebene Rolle auswendig zu lernen. Die Rollen mussten immer erst in Prosa geschrieben sein und hinter jedem Vers ein dicker Strich gemacht werden. Noch 1817 fand der jüngere Genast solche Rollenhefte in Dresden vor. ⁵5) Wenn das am grünen Holze geschah, so wird man ahnen können, wie es bei den Künstlern vom zweiten und dritten Range aussah. Einen kleinen Begriff von dem, was möglich war, gibt ja die einst berühmte Umformung, die Attinghausens Rede an Rudenz im Munde des Tschechen Hostowsky erfuhr. 53)„Ach, Uly, Uly! Was bist du stolz worden! Tragst Pfauenfeder auf Hut, schlagst Bauer nicht mehr traulich auf Schulter und sagst nicht ‚Bon jour“, wenn er dir begegnet auf Chaussée“. Und der Gute war dabei doch Theaterdirektor und beglückte mittlere deutsche Städte wie Halberstadt und Magdeburg mit seiner kunstgeübten Schar. Unter solchen Verhältnissen wird man denn auch lächelnd verstehen können, wenn bei manchem Schauspieler die Nachricht vom Tode des Tragikers ein gewisses Gefühl der Erleichterung auslöste, dem biedern Hostowsky sagten böse Zungen nach, dass ihm die Trauerbotschaft ein zweifellos tiefgefühltes„Ale Gott sei Dank! dass iss gestorben verfluchtes Jambenmacher“ entlockt habe. ⁵⁴)
Wenn aus diesem Herzenserguss die Hoffnung herausklingt, mit dem Jambenmacher seien nun auch die Jamben abgetan, so war das nun freilich eine bittere TWäuschung. Bei- seinen Lebzeiten war Schiller allerdings mit den Leistungen der nichtweimarischen Schau- spieler noch manchmal recht unzufrieden gewesen. Schrieb er doch nach dem glänzenden Erfolge der„Jungfrau von Orléans“ auf der Leipziger Bühne sehr ärgerlich, ⁵⁵) nur Ochsenheimer wäre als Talbot recht brav gewesen, aber selbst er hätte die Jamben so malträtiert, dass er sich den auswärtigen Theatern gegenüber fast veranlasst fühlte, seine Tragödien in Prosa umzuschreiben. Aber er hat es doch nicht getan, hatte einen subjektiven Eindruck auch wohl zu stark verallgemeinert, jedenfalls setzte sich in den nächsten Jahren das Versdrama trotz aller Widerstände durch: das Weimarer Beispiel, unterstützt durch gelegentliche Gastspiele wie das mehrmonatige Leipziger im Jahre 1807,5⁰) wurde weithin massgebend, und auch die Schule Schröders und Ifflands musste sich bei allen grundsätzlichen Bedenken mit den nun einmal ihren Platz fordernden rhythmischen Tragödien abfinden.
Dass sie damals schon besonders geniale Interpreten fanden, wird man ja nicht sagen können: Konrad Fleck, dem ersten Berliner Wallenstein, hat zwar Tiecks aus be- geisterter Erinnerung hervorgegangene Kritik auch die Kränze der Nachwelt eingebracht, aber er war schon 1801 gestorben, die Devrient, Esslair u. a. waren noch im Werden, Ifflands Gaben lagen mehr nach der Seite der Darstellung bürgerlicher Charaktere, immer- hin rühmte man seinen Franz Moor und seinen Tell. Wenn aber die Genies fehlten, so


