Aufsatz 
Schiller und das erste Dezennium des neunzehnten Jahrhunderts
Entstehung
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also doch schliesslich des eigentlichen, wahren Schiller. Kein geringer Ruhm jener Zeit, dass einer ihrer Söhne dieses Bild schuf, das Gegenstück zu Goethes unsterblichen Versen; nur zweimal ist später ihm in seiner Art Ebenbürtiges geschaffen worden, beidesmal unter Um- ständen, die das Andenken Schillers sehr lebendig hatten werden lassen.

Dannecker und Kügelgen schufen ihre Werke für die Nachwelt, für das Bedürfnis des Tages sorgten eine ganze Reihe anderer Künstler oder Kunsthandwerker, deren Schöpfungen meist auf Massenverbreitung berechnet waren. Dass derartiges förmlich in der Luft lag, kann ein Brief des einst berühmten Landschafters und ehemaligen Karlsschülers Joseph Anton Koch ¹⁴⁰) zeigen, den der Künstler schrieb, noch ehe er von dem Tode des grossen Dichters wusste. Ihn hatte die Lektüre desWilhelm Tell schöpferisch angeregt; er beschreibt den Entwurf eines historischen Gemäldes, von dem er sich einen grossen Er- folg verspricht, fände sich nur ein Unternehmer, der es stechen liesse. Anderen fehlte der nicht: wir hören ⁴¹) von einer Reihe grosser kolorierter Blätter in Aquatinta, die der Kupfer- stecher Karl Müller in Weimar zumWallenstein undTell lieferte; mehrere Schiller- porträts erschienen, zwei nennt Böttiger gelegentlich ⁴²), ohne sie näher zu bezeichnen, dann sei auch einchalkographisches Denkmal auf Schiller erwähnt, das an derselben Stelle be- schrieben wird: eine komponierte Landschaft mit des Dichters Grabmonument; man mag sich dabei erinnern, dass zu Schillers frühesten literarischen Erzeugnissen lateinische In- schriften gehörten, die er als Redakteur desWirtembergischen Repertoriums zu solchen Phantasiegrabdenkmälern von Luther, Kepler, Haller und Klopstock verfasste 4). Dann wurden auch einzelne Taschenbücher, damals ja die beliebte Modelektüre der gebildeten Stände, besonders der Frauen, Mittelpunkte für solche künstlerische Schillerverehrung. Schon 1803 hatte das CottascheTaschenbuch für Damen Kupfer zurMaria Stuart gebracht, fünf Jahre später finden wir in demselben Taschenbuch Kupfer zumWallenstein; für die folgenden Jahre waren die Schiller-Kupfer Eigentümlichkeit derMinerva; 110 Stiche zu den Werken unseres Dichters enthalten ihre Jahrgänge von 1809 bis 1829, 1831 bis 1833, wohl alle nach Zeichnungen von Ramberg. Ein verspäteter Nachzügler war dann noch die Penelope, die von 1821 1830 Kupfer zu den Gedichten nach J. Ender, Ramberg, von Schnorr brachte. Mochte der künstlerische Wert dieser Bilder nun auch noch so gering sein, mochte im besonderen Ramberg mit seinem Streben nach unangebrachter Anti- kisierung(man sehe das Bild zurGlocke im Jahrgang 1809), mit seiner unerträglichen Ver- süsslichung der idealen Charaktere und Karikierung der Bösewichter seiner Aufgabe wenig gewachsen sein, man braucht deshalb den Einfluss dieser Bilder nicht gering zu schätzen; in ihrer jährlichen Wiederkehr hielten sie das Andenken Schillers im Lesepublikum wach, mochten manchen veranlassen, des Zeichners Leistung am Werke selbst zu prüfen, ja sie konnten doch auch hin und wieder ein Führer zu Schiller werden. So geschah es etwa dem späteren Philosophen Christian Hermann Weisse¹⁴), den als Knaben die Ram- bergschen Kupfer zurBraut von Messina fast geheimnisvoll fesselten: unter ihrem Einfluss wurde ihm, den doch dieGlocke und manches andere gelernte lyrische Stück gleichgiltig gelassen hatte, die Lektüre des Trauerspiels zum inneren Erlebnis, an das sich noch der gereifte Mann mit Ergriffenheit erinnerte.